Waldreservat: Leben im Totholz

BERLINGEN. Prächtige Buchenbestände auf beiden Seiten der Renentalstrasse – das gibt es nur in Berlingen. Behörden und Vertreter der Forstwirtschaft luden am Samstagnachmittag zum Rundgang im geplanten Naturwaldreservat Althau.

Margrith Pfister-Kübler
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Viele Interessierte stehen im Wald oberhalb von Berlingen und schauen, was Kreisforstingenieur Ueli Ulmer auf der Infotafel zeigt. (Bild: Margrith Pfister-Kübler)

Viele Interessierte stehen im Wald oberhalb von Berlingen und schauen, was Kreisforstingenieur Ueli Ulmer auf der Infotafel zeigt. (Bild: Margrith Pfister-Kübler)

Gemeindepräsidentin Annemarie Moret freute sich über das grosse Interesse. Rund 40 Gäste folgten der Einladung, um sich das geplante Waldreservat anzuschauen. Mit dem Feuerwehrbus wurden sie am Bahnhof Berlingen abgeholt. Als Experten dabei waren vom Forstamt Thurgau der zuständige Kreisforstingenieur Ueli Ulmer und Ruedi Lengweiler, zuständig für forstliche Planung. Zudem waren Revierförster Rolf Singer und Heinz Kasper, Präsident Forstrevier Untersee-Rhein mit von der Partie.

Das geplante Waldreservat Althau ist Teil der Waldentwicklung. An der Ausarbeitung des Regionalen Waldplanes sind drei Gruppen beteiligt: Waldeigentümer, Politische Gemeinde und interessierte Organisationen wie Jagdgesellschaften, Naturschützer, Holzverarbeiter oder auch die Landwirtschaft. Der Regionale Waldplan wird öffentlich bekanntgemacht, und jedermann kann sich dazu äussern. Für die Umsetzung ist der Forstdienst, in erster Linie der Kreisförster und die Revierförster verantwortlich.

Viele schöne Buchen

Kreisforstingenieur Ulmer blendete zurück an die Gemeindeversammlung vom 1. Juni, an der das geplante Waldreservat vorgestellt wurde. Doch an diesem Waldumgang wurden alle vor Ort informiert. Berlingen weist die Bedingungen und den Lebensraum für ein Waldreservat auf. Die Fläche für das Waldreservat Althau beträgt mit 29 Hektaren etwa ein Sechstel des Berlinger Gemeindewaldes. «Nur Berlingen hat solch schöne Buchenbestände», lobten die Forstexperten. Der Nutzungsverzicht im Naturwaldreservat ist auf 50 Jahre festgelegt. Die Reduktion der Holznutzung wird für das Reservat Althau mit einer Entschädigung von rund 6000 Franken pro Jahr berappt.

Das nationale Ziel verlangt, dass jeder Kanton zehn Prozent des Waldes als Reservate ausscheidet, erläuterte Ueli Ulmer. Reservate gibt es bereits im Gebiet Mammern-Steckborn, im Scharenwald, Salenstein und auf Steckborner Gebiet. Buchenwälder fehlen. «Ursprünglich wuchsen hier 80 Prozent Buchen, jetzt sind es noch 20 Prozent», sagte Ulmer. Als Buchenpool werden Gebiete in den Wäldern von Steckborn und Berlingen bezeichnet, 33 Prozent im Gebiet Feldbach und ebenfalls 33 Prozent im Gebiet Seerücken.

Schwarzspecht fühlt sich wohl

Ruedi Lengweiler, zuständig beim Forstamt für die forstliche Planung, betonte, wie wichtig unbewirtschafteter Wald für die Natur ist. Rund 5000 Tierarten nutzen das Totholz. Als ob er mitgehört hatte, was Lengweiler erklärte, flog ein Schwarzspecht auf eine Buche. «Ab zehn Meter Höhe gefällt es ihm», erklärte Lengweiler. Er hatte auch ein Stück Totholz mit einer Spechthöhle und einen präparierten Edelmarder zur Ansicht mitgebracht. Die Gruppe wurde bis zum Or-Tobel geführt, wo Dachs- und Fuchsbauten bestaunt wurden.

«Die Berlinger haben nicht jeden Trend der Waldwirtschaft mitgemacht, deshalb gibt es hier noch den grössten zusammenhängenden Buchenwald», lobte Lengweiler. Revierförster Rolf Singer, ein grosser Freund der Eichen, gestand, dass er sich lange nicht mit dem Reservatgedanken anfreunden konnte, «um den Wald stillzulegen». Deshalb hat er sich gegen die Wunschfläche von 90 Hektaren gestemmt, die dann reduziert wurde.