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WAHRZEICHEN IN KONSTANZ: Imperia - Eine Frau gegen die Doppelmoral

Vor 25 Jahren stellte der Bildhauer Peter Lenk die Imperia in Konstanz auf. Und der Thurgauer Ernst Mühlemann half ihm dabei.
Inge Staub
18 Tonnen schwer, neun Meter hoch: Die Imperia hält in ihrer Rechten ein gekröntes Männlein und in der Linken den Papst. (Bild: Peter Elch/PD)

18 Tonnen schwer, neun Meter hoch: Die Imperia hält in ihrer Rechten ein gekröntes Männlein und in der Linken den Papst. (Bild: Peter Elch/PD)

Inge Staub

redaktion@thurgauerzeitung.ch

Sie zählt neben der New Yorker Freiheitsstatue und der Sphinx von Gizeh zu den berühmten weiblichen Statuen der Welt: die Konstanzer Imperia. Seit 25 Jahren steht die Frauenfigur im Hafen der Seestadt. Die spärlich bekleidete Hure sorgte damals für Empörung bei konservativen Konstanzer Politikern und Bürgern. Doch ihrem Schöpfer, Bildhauer Peter Lenk aus Bodman gelang es gemeinsam mit dem Fremdenverkehrsverein und den Bodensee-Schiffsbetrieben, die Statue am 24. April 1993 in einer Nacht- und Nebelaktion aufzustellen. Heute ist Konstanz froh darüber, denn die Imperia ist zum Wahrzeichen der Stadt geworden, und zu einem wichtigen Wirtschaftsfaktor, denn sie lockt jährlich Tausende Touristen an den Bodensee.

Möglich wurde die Umsetzung dieser Idee auch dank finanzieller Hilfe aus dem Thurgau. Der ehemalige FDP-Nationalrat Ernst Mühlemann aus Ermatingen organisierte 20000 Mark Sponsorengelder. Heute, sagt Peter Lenk, wäre die Realisierung dieser Statue nicht mehr möglich. Er würde nicht mehr so viele Leute zusammenbringen, die ihn unterstützen würden. «Wir waren eine verschworene Gemeinschaft.»

Sie hält weltliche und kirchliche Macht in Händen

Die Imperia steht auf einem Rundtisch, der sich in vier Minuten einmal um die eigene Achse dreht. Die Figur ist neun Meter hoch, 18 Tonnen schwer und aus Beton gegossen. Sie trägt eine Narrenkappe und auf ihren ausgebreiteten Händen hält sie zwei nackte Männer. In der einen Hand sitzt ein Mann mit übereinandergeschlagenen Beinen und Papst-Tiara, in der anderen ein Mann mit gespreizten Beinen und Kaiserkrone. Die beiden Männchen stellen die kirchliche und die weltliche Macht dar.

Die Imperia ist eine satirische Anspielung auf das Konzil von Konstanz (1414-1418). Als Vorlage für die Statue diente die Kurtisane aus Honoré de Balzacs Roman «La belle Impéria». Balzacs Kurtisane hält sich zur Zeit des Konzils in Konstanz auf und ist die Geliebte von weltlichen und kirchlichen Würdenträgern. Sie ist an eine historische Person anlehnt, die berühmte und sehr gebildete römische Kurtisane Lucrezia de Paris. Diese lebte allerdings rund 100 Jahre nach dem Konzil. Chronisten bestätigen jedoch, dass während des Konzils die Prostitution in Konstanz florierte. Die Narrenkappe der Konstanzer Imperia symbolisiert den Hofnarren, der das Treiben der Mächtigen durchschaut. Peter Lenk entlarvt mit der Imperia die Doppelmoral der kirchlichen Würdenträger, die Keuschheit predigen und selbst Hurenhäuser frequentieren.

Der 71-jährige Lenk, Meister der Satire, eckt noch immer an. Seine Skulpturen, meist bekannte Köpfe auf hässlichen nackten Körpern, provozieren. Ebenso wie seine nicht genehmigten Aktionen. Doch: Wie kein anderer deutscher Bildhauer zeigt Lenk Missstände in Politik, Kirche und Wirtschaft auf. Mitte Mai wird sein jüngstes Werk in Bodman eingeweiht – eine Arbeit, die sich an Sebastian Brants «Narrenschiff» anlehnt und – in Anspielung auf den Diesel- und Prostitutionsskandal der Autoindustrie – Gier und Gewinnstreben anprangert.

In der Schweiz sind Arbeiten von Peter Lenk selten zu sehen. Eine grössere Ausstellung gab es vor Jahren auf dem Wolfsberg. Dabei gäbe es jenseits der Grenze für den Bildhauer jede Menge zu tun. Denn dieser sagt: «Die Schweizer Kreisel sind so was von langweilig.»

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