Wahlen mit Überraschung

Die Nationalratswahlen vom 18. Oktober haben die Politik schon Monate im voraus gefordert. Gewonnen hat die FDP – mit einem unerwarteten Kandidaten. Die SVP legte überraschend zu.

Christof Widmer
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FRAUENFELD. FDP-Präsident Walter Schönholzer musste am 18. Oktober Hermann Hess mit einem Telefonanruf ins Wahlzentrum nach Frauenfeld beordern. Hess hatte sich keine Wahlchancen ausgerechnet und war zu Hause geblieben. Nicht nur zu seiner Überraschung überrundete er die parteiinternen Konkurrenten – allen voran Regierungsrat Kaspar Schläpfer – und wurde als Nationalrat gewählt.

Mit Hess eroberte die FDP ihren vor vier Jahren verlorenen Sitz wieder zurück. Dafür sorgte sie unter anderem mit einer breiten Listenverbindung: CVP, FDP, BDP und EVP haben bereits vor Jahresfrist ihre Wahlallianz bekanntgegeben. Damit war die 2011 erfolgreiche Listenverbindung der Kleinparteien GLP, EVP, BDP, EDU gesprengt. Lange blieb unklar, was die GLP nun macht. Sie hatte bei den letzten Wahlen mit Thomas Böhni der FDP den Sitz abgejagt. Bis vor den Sommerferien rechneten die Grünliberalen, wo sie die besten Chancen haben, ihren Sitz zu halten. SP und Grüne wollten sie in einer Dreier-Listenverbindung haben, um so vielleicht zwei Sitze gewinnen zu können.

GLP sucht Heil in der Mitte

Die GLP schlug das aus. Sie sah ihre Chancen grösser, wenn sie sich der breiten Mitte-Listen-Verbindung anschliesst. Das Kalkül: Diese Verbindung könnte drei statt der anvisierten zwei Sitze holen – zulasten der SVP.

Hoffnungen, der SVP mit der breiten Listenverbindung einen ihrer drei Sitze zu nehmen, machten sich hinter vorgehaltener Hand auch die CVP und die FDP – jede aber in der Meinung, so selber auf zwei Sitze zu kommen. Die Situation schien günstig: Immerhin fehlte der SVP Peter Spuhler, der bei den letzten Wahlen viele Stimmen auf sich vereinigt hatte. Die SVP versuchte dieses Manko mit einer Listenverbindung mit der EDU wenigstens teilweise wettzumachen.

Worauf niemand gewettet hätte: Die SVP baute am 18. Oktober auch ohne Spuhler ihren Wähleranteil aus. Sie machte 39,9 Prozent der Stimmen (+1,2 Prozent). Hansjörg Walter, Markus Hausammann und Verena Herzog wurden wiedergewählt. Die Parteien der Mitte-Listenverbindung kamen zusammen auf 38,4 Prozent der Stimmen und holten zwei Sitze. Diese gingen an den bisherigen CVP-Nationalrat Christian Lohr und an den neugewählten FDP-Vertreter Hermann Hess. Somit hat GLP-Nationalrat Thomas Böhni seinen Sitz verloren. Die GLP konnte ihren Wähleranteil zwar auf 6,2 Prozent (+1) ausbauen. Die CVP kam aber auf 13,1 Prozent (–1,3) und die FDP erzielte 13 Prozent (+1,8).

FDP schliesst zur CVP auf

Die FDP war in doppelter Hinsicht Wahlsiegerin. Sie holte sich ihren Sitz zurück und legte in Prozentpunkten am meisten von allen Parteien zu. Beinahe hätten die Freisinnigen die CVP als zweitstärkste Partei überholt.

Zugelegt hat auch die SP auf 12,7 Prozent (+0,6). Sie konnte den Sitz von Edith Graf-Litscher gut halten – obwohl der grüne Listenpartner einen Absturz auf 5,4 Prozent (–1,6) erlebte. Die BDP erreichte 3,8 Prozent (–1,2), die EDU 3,4 Prozent (–0,1) und die EVP 2,3 Prozent (–0,6).

In den Ständeratswahlen setzten sich erwartungsgemäss die Bisherigen Roland Eberle (SVP) und Brigitte Häberli (CVP) gegen den Herausforderer Klemenz Somm (GLP) durch.

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