WAGENHAUSEN: Meilenstein für Hochwasserschutz

2,58 Millionen Franken kosten die Massnahmen, um sich gegen die Folgen von Hochwasserschäden in Kaltenbach, Wagenhausen und im Industriegebiet Stein am Rhein zu wappnen. Der Spatenstich ist erfolgt.

Margrith Pfister-Kübler
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Gemeindepräsident Harry Müller nutzt als Baggerführer die Maschinenkraft, während die Gemeinderäte Roland Tuchschmid, Markus Nyffeler und Kaspar Birrer, Urban Fenner von Fröhlich-Wasserbau, Bauunternehmer Stefan Geiges, Herbert Lenz und Marcel Tanner, beide vom kantonalen Amt für Umwelt, den harten Boden mit der Schaufel aufmischen. (Bild: Margrith Pfister-Kübler)

Gemeindepräsident Harry Müller nutzt als Baggerführer die Maschinenkraft, während die Gemeinderäte Roland Tuchschmid, Markus Nyffeler und Kaspar Birrer, Urban Fenner von Fröhlich-Wasserbau, Bauunternehmer Stefan Geiges, Herbert Lenz und Marcel Tanner, beide vom kantonalen Amt für Umwelt, den harten Boden mit der Schaufel aufmischen. (Bild: Margrith Pfister-Kübler)

Margrith Pfister-Kübler

unterseerhein

@thurgauerzeitung.ch

Selbst Petrus war dem Baustart am Oberen Steibach auf der Parzelle von Marcel Brechbühl am Freitagnachmittag wohlgesinnt. Acht Jahre Planung gingen dem Hochwasserschutz-Projekt voraus, das Arbeiten am Steibach und auch am Tobelbach bis zum Rhein hinunter umfasst. Ausgangslage für das Projekt war die Naturgefahrenkarte des Kantons Thurgau.

Der Bruttokredit von 2,582 Millionen Franken für das gesamte Massnahmenpaket zur Verbesserung des Hochwasserschutzes von Kaltenbach, Wagenhausen und Stein am Rhein wurde an der Gemeindeversammlung vom 28. November 2014 genehmigt. Als grosse Geldgeber beteiligen sich der Bund mit 35 Prozent an den Kosten, der Kanton Thurgau mit 45 Prozent und Stein am Rhein mit 250'000 Franken. Für die Politische Gemeinde Wagenhausen verbleiben Kosten von rund 800'000 Franken.

Gefahrenanalyse zeigt nötige Massnahmen auf

«Für unsere Gemeinde sind die rund 800'000 Franken ein grosser Lupf», betonte Gemeindepräsident Harry Müller beim Spatenstich. Er blendete zurück ins Jahr 2014, wo das Hochwasserschutz-Projekt mit den Massnahmen am Oberen Steibach und zwei Rückhaltebecken, um die Hochwasserspitzen zu puffern, erstmals der Bevölkerung vorgestellt wurde. Eine im Auftrag der Gemeinde Wagenhausen ausgearbeitete Gefahrenanalyse machte deutlich, dass alle Massnahmen zum Schutz der Bevölkerung und von Sachgütern vor Hochwasser dringend waren.

Das Szenario eines Hochwassers, welches das Industriegebiet von Stein am Rhein überfluten würde, wäre der Horror. «Im ­Industriegebiet Stein am Rhein würden sich die Schäden – wenn hier viel Wasser kommt – bis auf 20 Millionen belaufen. Deshalb beteiligt sich Stein am Rhein mit 250000 Franken an den Kosten», sagte Harry Müller.

Als wichtigen Meilenstein für die Hochwassersicherheit von Wagenhausen und Stein am Rhein bezeichnete Marcel Tanner, stellvertretender Abteilungsleiter Wasserbau und Hydrometrie beim Thurgauer Amt für ­Umwelt, das Projekt. Bei den Planungen wurde kantonsübergreifend und mit dem Bund koordiniert. Dabei sei man übereingekommen, dass die Koordination beim Kanton Thurgau liegt. Am 11. April 2017 hat die Thurgauer Regierung die Festsetzung der Bedingungen unterzeichnet. Marcel Tanner lobte die sehr gute Zusammenarbeit zwischen Bund, den Kantonen Thurgau und Schaffhausen und der Gemeinde Wagenhausen.

Grössere Kapazität für den Ablauf

Um Ausuferungen des Steibaches bei Starkregen-Ereignissen und somit Hochwasserabflüsse Richtung Guggehuuser/Aegelsee/Degerfeld zu verhindern, wird der Strassendurchlass und abschnittsweise auch das Bachprofil vergrössert. Vor dem neuen Durchlass wird ein Geschiebefänger mit Grobrechen das Risiko einer Verklausung zusätzlich reduzieren. Durch die Verlegung und Kapazitätsvergrösserung des Steibaches im Bereich des Landwirtschaftsbetriebes Zum Steibach werde so der Hochwasserschutz lokal massiv verbessert und das Gewässer ökologisch bedeutend aufgewertet. Die Strasse Neuhaus wird den Oberflächenabfluss aus dem Gebiet Freihof/Tokterwies/Egg/Hüttebärg über die Strasse ins geplante Rückhaltebecken Eichebüel leiten und so einen Abfluss entlang der Strasse Richtung Stein am Rhein weitgehend verhindern. Laut Bauunternehmer Stefan Geiges sind es rund 1200 Kubik Erde, die ausgebaggert und örtlich für die Terrainanpassung wiederverwertet werden. Die Bauarbeiten sollten bis Mitte des Jahres abgeschlossen sein. Das Bachbett wird tiefer gelegt und mit einer breiteren Linienführung versehen. Die Wiederaufforstung des Bachlaufes mit einheimischen Gehölzen ist im Winter 2017/18 vorgesehen.