Wärmeverbund: Kein Ausbau

Die Gemeinde Hüttwilen baut ihren Wärmeverbund nicht aus. Das Projekt ist gescheitert, weil nicht genügend Vorverträge zustande kamen. Statt 35 waren es bloss 27.

Evi Biedermann
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Gemeinderat und Projektleiter Dino Giuliani. (Bild: Evi Biedermann)

Gemeinderat und Projektleiter Dino Giuliani. (Bild: Evi Biedermann)

NUSSBAUMEN. 35 schriftliche Zusagen wären nötig gewesen, um den Baukredit für die geplante Erweiterung des Wärmeverbunds Nussbaumen der Gemeindeversammlung Anfang 2012 vorzulegen. Eingegangen sind deren 27. «Diese doch hohe Zahl zeigt, dass das Interesse am Verbund und allgemein an erneuerbarer Energie da ist», sagt der projektführende Gemeinderat Dino Giuliani.

Um aber das 2,3 Millionen teure Projekt verantworten zu können, müssten laut Giuliani die auf der Basis von 35 Kunden errechneten Zahlen eingehalten werden. Alles andere würde zu einem auflaufenden Betriebsdefizit führen. «Das wäre weder für die Politische Gemeinde Hüttwilen noch für den Kunden tragbar.»

Die Zusagen für einen Anschluss an den Verbund waren vor allem vom südlichen Teil des Dorfes gekommen. Diese Hausbesitzer beschäftigen sich schon seit einigen Jahren mit ihren Heizungen, weil sie altershalber ersetzt werden müssen. Im Herbst 2010 gelangten sie mit ihrem Anliegen an den Gemeinderat und brachten damit den Stein für den Ausbau des Wärmeverbunds Nussbaumen ins Rollen.

Knappe Entscheidungszeit

«Auch im Norden gibt es ältere Liegenschaften», weiss Giuliani, doch leider hätten sich einige Besitzer nicht für einen Anschluss innerhalb der nächsten drei Jahre verpflichten wollen.

Ein Grund dafür könnte der Zeitfaktor gewesen sein. Nach einer ersten Kundenumfrage im August im nördlichen Erschliessungsgebiet verschickte die Gemeinde Ende Oktober eine Einladung für zwei Informationsabende im November.

Der Einladung lagen auch bereits die Vorverträge bei, mit der Auflage, diese bis 30. November unterzeichnet zurückzuschicken. «Das war sehr knapp», räumt Giuliani ein. Anderseits sei jedoch der Druck auf die Hausbesitzer im Süden, ihre privaten Heizungen zu sanieren, immer grösser geworden.

Parzelle nicht überbaubar

Einen nicht unwesentlichen Einfluss auf das verfehlte Beteiligungs-Soll hat auch die Gemeinde. Sie besitzt im Süden von Nussbaumen Bauland, das sie mit einer Anschlusspflicht an den Wärmeverbund verkaufen wollte. «Mit diesen Parzellen haben wir bei der Planung gerechnet», sagt Giuliani. Die einstige Kiesgrube ist jedoch im Altlasten-Kataster aufgeführt. Aufgrund der seit kurzem vorliegenden technischen Untersuchungen kann das Land, wenn überhaupt, erst mittel- bis langfristig überbaut werden. Wie Giuliani sagt, sind in den nächsten Jahren weitere Untersuchungen nötig.

Projekt bleibt interessant

Der Entscheid, das Projekt abzubrechen, sei dem Gemeinderat nicht leichtgefallen, erklärt Giuliani. Er schliesst nicht aus, dass die Pläne zu einem späteren Zeitpunkt nochmals aktuell werden.

«Die Wärmeversorgung mit erneuerbarer Energie wird uns alle weiterhin beschäftigen», ist er überzeugt. Jetzt aber gehe es darum, die Verantwortung gegenüber den Gemeindeeinwohnern und Steuerzahlern wahrzunehmen und ein zu riskantes Projekt zu stoppen.

Es bleibt bei einer Heizzentrale

Im Mai bewilligten die Stimmbürger von Hüttwilen einen Planungskredit von 10 000 Franken für den Ausbau des gemeindeeigenen Wärmeverbunds Nussbaumen. Das Projekt beinhaltete, die bestehende Holzschnitzelheizung in der Dorfmitte mit einer zweiten Heizzentrale im östlichen Dorfteil zu erweitern. Diese sollte in der alten Scheune der Liegenschaft Künzli errichtet werden. Geplant war weiter, der Gemeindeversammlung im Januar den Baukredit von 2,3 Millionen vorzulegen. Dieses Traktandum fällt nun weg.