Wärmering: Heute wird's heiss

Der Gemeinderat entscheidet heute über den vom Stadtrat vorgeschlagenen Rettungsring für die Wärme Frauenfeld AG. Das Stadtwerk Winterthur und der ARA-Verband Region Frauenfeld stehen als Teilhaber der AG hinter dieser Lösung.

Mathias Frei
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Stefan Treudler Leiter Energie-Contracting Stadtwerk Winterthur (Bild: pd)

Stefan Treudler Leiter Energie-Contracting Stadtwerk Winterthur (Bild: pd)

FRAUENFELD. Die Diskussionen heute abend im Gemeinderat werden mit Sicherheit heisser laufen als das Wasser, das im Wärmering-Netz fliesst. Es geht um nichts weniger als die Zukunft der Wärme Frauenfeld AG (WFAG). Auf der einen Seite steht der Stadtrat. Er schlägt vor, dass die Werkbetriebe Frauenfeld und das Stadtwerk Winterthur die bestehende Infrastruktur der WFAG übernehmen. So soll die AG aus ihren Liquiditätsproblemen herausfinden. Die Stadt würde diese Übernahme fünf Millionen Franken kosten. Das Stadtwerk Winterthur müsste kurzfristig 1,4 Millionen Franken dafür einschiessen, langfristig rund acht Millionen.

Gegner dieser Lösung sind die Gemeinderäte Peter Hausammann (CH) und Stefan Geiges (CVP). «Wir sind für Nichteintreten oder eventuell Rückweisung der Botschaft», sagt Hausammann. Sie kritisieren unter anderem die ungenügenden Entscheidungsgrundlagen, den nicht behobenen grundsätzlichen Konstruktionsfehler mit der AG, die fehlende Transparenz und die zu komplizierte Organisation mit einer AG ohne physisch vorhandenen Werte.

Über Finanzmisere informiert

Nicht überraschend steht das Stadtwerk Winterthur hinter der Rettungsstrategie des Stadtrats. Der WFAG-Verwaltungsrat habe verschiedene Lösungen sorgfältig geprüft und bewertet. Nun sei die vorliegende Lösung vorgeschlagen. «Sollte der Verwaltungsrat andere Lösungen in Betracht ziehen, wird das Stadtwerk Winterthur diese offen und neutral prüfen», sagt Stefan Treudler dazu. Er ist Leiter Energie-Contracting Stadtwerk Winterthur sowie WFAG-Verwaltungsratsmitglied. Durch Treudler als VR-Mitglied der WFAG sei das Stadtwerk Winterthur über die Finanzen der AG informiert. «Über die aktuelle Situation der WFAG erteilt ausschliesslich der Verwaltungsrat Auskunft.»

Winterthur sagte schon Ja

Ob die Gründung der WFAG rechtmässig erfolgt ist oder ob der Stadtrat seine Finanzkompetenzen überschritten hat, darüber gingen vergangenen Sommer die Meinungen im Frauenfelder Gemeinderat auseinander. Mit solchen Fragen muss sich das Stadtwerk Winterthur seit vergangenem Juni nicht mehr beschäftigen. Denn damals bewilligte das Winterthurer Stimmvolk einen Rahmenkredit von 70 Millionen Franken für Projekte im Energie-Contracting. Aus diesem Kredit soll nun die Infrastruktur-Übernahme der WFAG erfolgen. Dabei kann das Stadtwerk Winterthur – eine Organisationseinheit der Stadt Winterthur mit eigener Rechnung, wie die Werkbetriebe – bis 900 000 Franken selber entscheiden. Bis sechs Millionen Franken aus diesem Rahmenkredit liegt die Finanzkompetenz beim Winterthurer Stadtrat. Über dieser Marke müssen Gelder vom Winterthurer Stadtparlament bewilligt werden. Eine Volksabstimmung braucht es also im Gegensatz zu Frauenfeld nicht mehr.

Vorteil: Wassertemperatur sinkt

Dritter Teilhaber an der WFAG, jedoch nicht direkt in die Rettungsstrategie des Stadtrats involviert, ist der Abwasserverband Region Frauenfeld. Wenn der Kredit für die WFAG-Infrastruktur im Gemeinderat und später in einer städtischen Volksabstimmung durchkommt, ändert sich nichts für den ARA-Verband. Sollte heute keine Lösung zustande kommen, könnte dies die Liquidität der AG weiter verschlechtern. Gegensteuer könnte eine Erhöhung des Aktienkapitals geben. Hier käme der ARA-Verband wohl wieder ins Spiel. Verbandspräsident Thomas Müller steht denn auch hinter dem stadträtlichen Rettungsring. Der Verband halte die Energietechnologie eines Wärmeverbunds mit Nutzung der Wärme des gereinigten Abwasser an sich schon für unterstützenswert. «Ein grosser Zusatzvorteil ist, dass die Einleittemperatur des Wassers in die Murg dank des Wärmerings sinkt», sagt Müller.

Thomas Müller Präsident Abwasserverband Region Frauenfeld (Bild: pd)

Thomas Müller Präsident Abwasserverband Region Frauenfeld (Bild: pd)