Wärme aus dem Güterschuppen

Eine Wärmeverbund-Genossenschaft will im alten Güterschuppen des Bahnhofs Felben-Wellhausen eine Heizzentrale einrichten. Mit Holz aus dem Dorfwald sollen zwanzig Gebäude beheizt werden.

Mathias Frei
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Die SBB benötigen den Schuppen am Bahnhof Felben-Wellhausen nicht mehr. (Bild: Donato Caspari)

Die SBB benötigen den Schuppen am Bahnhof Felben-Wellhausen nicht mehr. (Bild: Donato Caspari)

Felben. Ende Juni 2011 soll es in Felben-Wellhausen möglich sein, lokal hergestellte Wärme über ein Verbundnetz von 1400 Metern Länge zu beziehen. Dann werden 18 Abonnenten über 20 Anschlüsse jährlich 1,8 Millionen Kilowattstunden Wärmeleistung beziehen können. Das Gemeindehaus ist darunter, auch die Primarschule und das Kirchgemeindehaus. Aber auch Eigner diverser Ein- und Mehrfamilienhäuser und vor allem zweier Neuüberbauungen haben eine Absichtserklärung unterschrieben. Den Anschub für die am 27.

Oktober gegründete Genossenschaft gab der Gemeinderat Felben-Wellhausen. Dies aufgrund des Leitbildes der Politischen Gemeinde, welches sich Energieeffizienz und die Nutzung von erneuerbaren Energien zum Ziel setzt.

Jetzt oder nie

Felben-Wellhausens Vizegemeindeammann Werner Dietiker präsidiert den Wärmeverbund. Er ist Feuer und Flamme für das in der Erstellung 1,7 Millionen Franken schwere Projekt. Jetzt oder nie, habe man sich gesagt.

Denn mit dem Willen der Gemeinde, ihre Liegenschaften anzuschliessen, und den zwei Grossüberbauungen sei die Zeit günstig gewesen.

Und wer lokale Fernwärme beziehe, benötige für die Vertragslaufzeit der nächsten 20 Jahre keinen Kaminfeger mehr. Wichtig erachtet er, dass die Holzschnitzel für die Feuerung, welche im SBB-Güterschuppen errichtet werden soll, aus dem lokalen Waldbestand, von der Bürgergemeinde und Privaten, stammen.

Eine CO2-neutrale Heizung also, welche auch in Sachen Schadstoffemissionen auf dem neuesten Stand der Technik ist.

Energiekonzern bleibt draussen

Des weiteren habe man beschlossen, auf ein Contracting mit einem grossen Energie-Unternehmen zu verzichten. Man wolle nicht, dass Geld in administrativen Mühlen verschwinde, sagt Dietiker. So muss die Anlage abgeschrieben, aber kein Gewinn erwirtschaftet werden.

Zudem kann Energie zu vernünftigen Tarifen verkauft, respektive das Holz zu marktgerechten Preisen eingekauft werden.

Dafür muss die Anlage aber auch im ersten Betriebsjahr schon zu 100 Prozent ausgelastet sein. Das heisst: Wer jetzt noch einen Anschluss will, kommt zu spät. Und ein späterer Netzausbau wäre mit neuerlichen Kosten verbunden.

Trotzdem seien die Leute äusserst skeptisch, sagt Dietiker. Dank der Thurgauer Kantonalbank ist die Finanzierung gesichert. Dennoch würde er sich wünschen, wenn noch mehr Genossenschaftskapital als die bisher 230 000 Franken gesammelt werden könnte. Bei einem Zinssatz von 2,75 Prozent sei das Geld ja sehr günstig angelegt.