Wängi will Wasserkraft nutzen

WÄNGI. Seit gestern liegt in Wängi das Baugesuch für ein Kleinwasserkraftwerk auf. Gesuchstellerin ist die Gemeinde selber. Sie will die Murg nutzen und künftig beim alten Wehr Neubrugg Strom für vierzig Haushaltungen produzieren.

Olaf Kühne
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Die Bauvisiere für das Wasserkraftwerk stehen auf der Wiese südlich der Wilerstrasse.

Die Bauvisiere für das Wasserkraftwerk stehen auf der Wiese südlich der Wilerstrasse.

Einst betrieb die Weberei Wängi ihre Webstühle mit Wasser aus der Murg. Doch die Zeiten blühender Thurgauer Textilindustrie sind längst Geschichte. Einzig die Mauern des einstigen Wasserkanals, durch den die Weber Wasser aus der Murg abzweigten, zeugen noch von dieser Epoche – und das drei Meter hohe Wehr im Gebiet Neubrugg südlich der Wilerstrasse zwischen Wängi und Rosental.

Eine Treppe für Fische

Nun stehen Bauvisiere auf der angrenzenden Wiese. Seit gestern liegt das dazugehörige Baugesuch auf der Gemeinde Wängi öffentlich auf. «Bau- und Konzessionsgesuch zur räumlichen und energetischen Nutzung eines Oberflächengewässers», lautet sein etwas kryptischer Titel. Einfacher ausgedrückt: Die Gemeinde will ein kleines Wasserkraftwerk bauen und damit Strom produzieren. Rund 300 000 Kilowattstunden im Jahr. Saubere Energie für 40 Haushaltungen.

«Die Idee ist bereits zehn Jahre alt», erklärt Bauamtsleiter Markus Dick die Vorgeschichte des ambitionierten Projektes. «Seit vier Jahren arbeiten wir intensiv daran.» Abklärungen allerorten seien erforderlich gewesen. Entsprechend detailliert und aussagekräftig kommen die Pläne nun daher. Wesentliche Elemente sind das eigentliche Kraftwerk, ein variables Schlauchwehr, welches je nach Wasserstand in der Höhe verstellt werden kann, und schliesslich eine Fischtreppe.

Diese stellt für die Wasserbewohner ein Novum dar. Können doch Fische das bestehende Wehr schlicht gar nicht überwinden. «Für die Ausarbeitung der Fischtreppe haben wir Experten wie beispielsweise den kantonalen Fischereiaufseher beigezogen», sagt Markus Dick, «und vergleichbare Referenzanlagen besichtigt.»

In 40 Jahren amortisiert

Das Baugesuch stellt die Gemeinde Wängi. Ob sie die Anlage mit ihren Technischen Betrieben dereinst auch betreiben wird, ist ungewiss. «Wir können uns verschiedene Partner und Rechtsformen vorstellen», sagt Dick. «Mit dieser Frage beschäftigen wir uns aber erst abschliessend, wenn die rechtskräftige Baubewilligung vorliegt.»

Frühestens Ende Jahr dürfte es so weit sein – vorausgesetzt, gegen das Kraftwerk gehen keine Einsprachen ein. Die Baukosten schätzt Dick auf rund eine Million Franken, die Amortisationsdauer auf 40 Jahre. Ein Projekt für Generationen.

Die Murg im Gebiet Neubrugg. Das drei Meter hohe Wehr diente einst der Energieversorgung der Weberei Wängi. (Bilder: Olaf Kühne)

Die Murg im Gebiet Neubrugg. Das drei Meter hohe Wehr diente einst der Energieversorgung der Weberei Wängi. (Bilder: Olaf Kühne)