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WÄNGI: Vereint verschönert

Der Wanderweg durch das Hexentobel ist saniert. Dahinter steckt das mehrmonatige Engagement zweier Männer.
Olaf Kühne
Solomon Tesfalen und Peter Brunner posieren auf einer der Treppen, die sie auf dem Wanderweg durch das Wängemer Hexentobel gebaut haben. (Bild: Olaf Kühne)

Solomon Tesfalen und Peter Brunner posieren auf einer der Treppen, die sie auf dem Wanderweg durch das Wängemer Hexentobel gebaut haben. (Bild: Olaf Kühne)

Olaf Kühne

olaf.kuehne@thurgauerzeitung.ch

«Schade, dass so viel Laub liegt», sagt Peter Brunner, «so sieht man unsere Arbeit gar nicht.» Tatsächlich schmücken allerorten herbstlich verfärbte Blätter das idyllische Hexentobel. Mit seiner Einschätzung der Sichtbarkeit liegt der Vorstand des Verkehrs- und Verschönerungsvereins Wängi dennoch daneben.

Vizepräsident ist Brunners offizielle Funktion. Der 68-Jährige umschreibt sie lieber mit «Motor für Neues». Sein jüngstes Werk galt indes Bestehendem. Im Hexentobel, im rund 500 Meter langen Waldstück zwischen dem Wängemer Murgufer und der Autobahn, führt entlang dem Hexentöbelibach ein beliebter Wander- und Spazierweg. Wie es sich für ein Tobel gehört, ist auch der Weg durch das Hexentobel gespickt mit Stiegen, Hangabsicherungen und Geländern. Doch die Holzkonstruktionen waren in die Jahre gekommen, die Bretter morsch und der abrutschende Weg teils nur noch mühsam passierbar.

Peter Brunner begann deshalb bereits im Frühling 2016, sich Gedanken über die Instandstellung des Wängemer Bijous zu machen. Galt es doch, an allerlei Technischem zu tüfteln, Material zu organisieren – und schliesslich konnte er die Arbeiten auch nicht alleine ausführen. Vergangenen Frühling dann wandte sich Brunner an die Gemeinde. Beherbergt diese doch über ein Dutzend Flüchtlinge, von denen der eine oder andere bestimmt froh um eine Beschäftigung sein dürfte. Nach kleinen Startschwierigkeiten sollte Brunner recht behalten. «Gestartet bin ich mit vier Helfern», blickt er zurück. «Geblieben ist nur Solomon.» Und mit dem Eritreer Solomon Tesfalen sollte sich die Sache erfreulich gestalten. Dreieinhalb Monate lang arbeiteten der 50-jährige Flüchtling und der 68-jährige Rentner im Hexentobel. Dabei leisteten die zwei Männer teils Schwerstarbeit. «Das meiste Material wie beispielsweise das Kies haben wir vom Werkhof Wängi erhalten», erzählt Brunner. «Doch die Werkhofmitarbeiter konnten im Tobel nur auf den ersten Metern fahren. Am Anfang des schmalen Fussweges haben sie deshalb ein Depot errichtet.» Von dort führte Solomon Tesfalen das Kies Schubkarre um Schubkarre das Tobel hoch. Wie viele es waren, wissen beide nicht mehr. Doch Peter Brunner rechnet vor: «Eine Garette Kies reichte für einen Meter Weg. Es müssen also Hunderte gewesen sein.»

Solomon Tesfalen lebt seit zwei Jahren in der Schweiz, seit eineinhalb Jahren in Wängi. Seine Frau und seine vier Kinder sind ebenfalls aus Eritrea geflohen. Dennoch ist die Familie nicht vereint. «Sie leben seit fünfeinhalb Jahren in einem Flüchtlingslager in Äthiopien», erzählt der Eritreer mit wehmütigem Blick – und in gebrochenem Deutsch. Obwohl der Flüchtling regelmässig Deutschkurse besucht, sei die Kommunikation anfangs eine Herausforderung gewesen, sagt Brunner. «Mit Englisch und Französisch kam ich nicht weit, aber mit Hand und Fuss ging’s.»

So entwickelten sich die beiden Männer im Laufe ihres Engagements zu einem eingespielten Team. Freundschaftlich klopfen sie sich nun auf die Schultern, während sie auf ihr Werk blicken. Umso mehr, weil dieses trotz des liegenden Herbstlaubes sehr gut zu sehen ist – was nicht zuletzt den Gemeindepräsidenten freut. «Wir sind sehr froh, dass wir den Verkehrs- und Verschönerungsverein haben», sagt Thomas Goldinger. «Und was die beiden Männer geleistet haben, ist einfach toll. Ich muss wohl wieder einmal joggen – natürlich im Hexentobel.»

Hinweis

Infos zum Verkehrs- und Verschönerungsverein Wängi sind erhältlich unter: www.vv-waengi.ch

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