WÄNGI: «So viel Thurgauness wie möglich»

Über Bildung und Raumplanung ist am traditionellen Gipfeltreffen der SVP der Bezirke Münchwilen, Toggenburg und Hinwil referiert worden.

Christoph Oklé
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Thurgau zwischen St.Gallen und Zürich: Monika Knill zwischen Stefan Kölliker (l.) und Markus Kägi am SVP-Gipfeltreffen. (Bild: Andrea Stalder)

Thurgau zwischen St.Gallen und Zürich: Monika Knill zwischen Stefan Kölliker (l.) und Markus Kägi am SVP-Gipfeltreffen. (Bild: Andrea Stalder)

WÄNGI. Am zweiten Septembersonntag treffen sich SVP-Mitglieder aus dem Grossraum Hörnli mit den Bezirksparteien Münchwilen, Hinwil und dem Toggenburg zu einem «Gipfeltreffen». Die 22. Ausgabe fand gestern auf dem in der Gemeinde Wängi gelegenen Krillberg statt, auf dem Hof von Roman und Ursina Hofstetter-Berther. Peter Stark, Präsident der SVP Wängi-Lommis, begrüsste rund 150 Besucher zu Festwirtschaft, Musik und Referaten aus der Regierungsetage der drei sich am Hörnli berührenden Kantone.

Regierungsratspräsidentin Monika Knill, verantwortlich für Bildung und Kultur, stellte fest, dass der Thurgau insbesondere im Bildungsbereich als der kleinste unter den grossen, aber grösster unter den kleinen Kantonen ein beliebter Partner für die grossen Kantone und oft Brückenbauer zwischen den kleinen und den grossen Kantonen sei. So könne sich der Thurgau viel direkter zu agieren erlauben, um etwas zu entwickeln oder auch etwas auszuprobieren.

Harmonisierung ist richtig und wichtig

«Der Thurgau ist in Sachen Bildung für die Schweiz <systemrelevant>», sagte Monika Knill und meinte die Fremdsprachenfrage. Man werde sich klar gegen eine Intervention des Bundes wehren. Knill warnte jedoch vor Alleingängen mit unwiderruflichen «Nachteilen für die nachfolgenden Generationen» und präzisierte, dass eine Harmonisierung richtig und wichtig, aber nicht mit Zentralisierung gleichzusetzen sei: «So viel <Thurgauness> wie möglich, so viel Harmonisierung wie nötig.»

Knills St. Galler Amtskollege Stefan Kölliker widmete sich dem Spannungsfeld zwischen Schule und Wirtschaft. Er erlebe oft, dass Leute fänden, die Schule müsse sich gar nicht auf die Wirtschaft ausrichten, Bildung habe sich allein an pädagogisch-wissenschaftlichen Erkenntnissen zu orientieren. Als Bildungschef plädiere er hingegen dafür, dass sich die Schule mit den Bedürfnissen der Wirtschaft auseinandersetzen müsse. Da die Schule sich sehr langsam entwickle, sei es nicht sinnvoll, jedem Wunsch der Wirtschaft tel quel und sofort zu entsprechen.

Stefan Kölliker verteidigt den Lehrplan 21

Wo man sich hingegen einig sei: «Die Schule soll auf das Leben vorbereiten.» Die jungen Menschen sollten also befähigt werden, sich eigenverantwortlich in Gesellschaft und Berufsleben bewegen zu können. Stefan Kölliker verteidigte den kompetenzorientierten Lehrplan 21 als eine gute Vorbereitung auf das Leben: «Die Wirtschaft erwartet nicht Auswendiggelerntes, sonder das Verstehen von Zusammenhängen.»

Regierungsrat Markus Kägi, Vorsteher der Zürcher Baudirektion, thematisierte mit der Raumplanung ein anderes Spannungsfeld: das zwischen Bevölkerung und Baubedürfnissen. Der Kanton Zürich ist zu einem Drittel mit Wald bedeckt und der fünftgrösste Landwirtschaftskanton; entsprechend komplex sei seine Raumplanung. Hinzu komme, dass im Kanton Zürich 17 Prozent der Schweizer Bevölkerung wohnen. Er sei besonders stark vom Wachstum betroffen; bis 2040 rechne man mit 280 000 bis 360 000 Zuzügern.