WÄNGI: Königinnenputz

Zwei Handwerker revidieren die Orgel der reformierten Kirche. Morgen können ihnen Besucher bei der Arbeit über die Schulter blicken.

Sandra Grünenfelder
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Pfarrer Lukas Weinhold, Organist Ernst Ammann und Orgelbauer Ruedi Herrmann vor dem Wasserbad. (Bild: Sandra Grünenfelder)

Pfarrer Lukas Weinhold, Organist Ernst Ammann und Orgelbauer Ruedi Herrmann vor dem Wasserbad. (Bild: Sandra Grünenfelder)

Sandra Grünenfelder

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thurgauerzeitung.ch

«Es war der Tag vor der Konfirmation», erinnert sich Ernst Ammann, «als plötzlich eines der Register an der Orgel nicht mehr funktionierte.» Der routinierte Organist wusste an der Tastatur zu improvisieren, dennoch machte die klemmende Pfeifenreihe deutlich, dass es höchste Zeit war, die Wängemer Orgel einer Revision zu unterziehen.

Dafür hat die evangelische Kirchgemeinde bereits Vor­kehrungen getroffen: Seit zwei Jahren hat sie Rückstellungen ­gemacht, um die Investition zu ­tätigen. Im März haben die Kirchbürger schliesslich ihre Zustimmung für die erste Frischekur am 20-jährigen Instrument erteilt. Für rund 60000 Franken wird die Orgel nun zwei Monate lang rundum saniert. Am Donnerstag haben Interessierte die Möglichkeit, die Handwerker bei ihrer Arbeit hautnah zu erleben und gar einen Blick ins Innere des majestätischen Tasteninstruments zu werfen.

1650 Pfeifen ausbauen und reinigen

«Die Revision einer Orgel ist ein hochkomplexes Unterfangen», sagt Orgelbauer Ruedi Herrmann. Man nenne das Instrument nicht umsonst auch «die Königin der Instrumente». Kein anderes Musikinstrument habe so viele Klangfarben und so einen grossen Tonumfang wie eine Orgel.

Seit Anfang Juni arbeiten er und sein Kollege Vita Slavik daran, das Tasteninstrument erst auszubauen, zu reinigen, zu reparieren, zu intonieren und schliesslich neu zu stimmen. «Allein der Reinigungsprozess nimmt fünf Wochen in Anspruch», sagt Herrmann. Dabei werden sämtliche 1650 Pfeifen ausgebaut, in einem Wasserbad von Schmutz und Staub befreit und wenn nötig repariert. «Mit dem Reinigungsprozess sind wir nächste Woche fertig.» Danach werden die Einzelteile wieder im Gehäuse eingebaut. Die Intonation und Stimmung dauert schliesslich noch bis Ende Juli.

Einzigartige Einblicke

«Durch die Arbeiten bietet sich ein einzigartiger Einblick in das Innenleben des Instruments», sagt Pfarrer Lukas Weinhold. «Das wollen wir unseren Kirchbürgern nicht vorenthalten.» Am Besichtigungstag stehen die beiden Orgelbauer den interessierten Besuchern Red und Antwort.

Besichtigung der Orgelrevision

Donnerstag, 22. Juni,

von 16.30 bis 19 Uhr,

evangelische Kirche Wängi