WÄNGI: Eine rote Nase alleine genügt nicht

Anton und Amadeus, zwei Clowns der Stiftung Lebensfreude, besuchten die Bewohner des Wohn- und Pflegezentrums Neuhaus.

Maya Heizmann
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Eine Bewohnerin freut sich über das Säuli und die beiden Clowns Amadeus und Anton. (Bild: Maya Heizmann)

Eine Bewohnerin freut sich über das Säuli und die beiden Clowns Amadeus und Anton. (Bild: Maya Heizmann)

Maya Heizmann

hinterthurgau@thurgauerzeitung.ch

Sie kommen mit Sack und Pack, die beiden Clowns Anton und Amadeus Lebensfreude. In ihren Koffern und Taschen verbergen sich Accesoires wie Musikinstrumente, rote Nasen, Herz-Ballone und mehr. Nach dem Umziehen sind sie fast nicht wieder zu erkennen. Clown Anton ganz in weiss, mit Schuhgrösse 66, Amadeus in schicken Nadelstreifenhosen, grünem Käppi und roten Hosenträgern.

«Ich bin Käthi», sagt eine Bewohnerin und streckt den beiden Clowns zur Begrüssung ihre Hände entgegen. Fünf Frauen sitzen um den Tisch und freuen sich, als die beiden Artisten eintreten. «Ich spiele jetzt den Schneewalzer zur Abkühlung, denn heute Nachmittag ist es heiss, wie im Sommer», sagt Clown Anton, und aus seinem Örgeli ertönt die lüpfige Musik. Auch Amadeus hat eine Überraschung bereit, er hat eine Musikdose mitgebracht, aus der «Eine kleine Nachtmusik» von Wolfgang Amadeus Mozart ertönt. Aus einem Eiscornet mit grüner Pistache-Clacé zaubert Anton bunte Seifenblasen hervor, die wie zarte, luftige Kugeln in den Raum gleiten.

Seit drei Jahren bei der Stiftung Lebensfreude

Nun kommt Pia ins Spiel. Pia ist ein kleines rosarotes Plüschferkel und sehr fresslustig. Das unersättliche Säuli erhält viele Streicheleinheiten, dafür zaubert es ein Lächeln in die Gesichter der Betagten. Mit ihren Musikeinlagen und Spässen gehen die beiden Clowns mit feinfühligem Respekt auf die Leute ein. Nach einem Abschiedslied besuchen Anton und Amadeus einige bettlägerige Personen auf ihren Zimmern und spielen ihnen mit verschiedenen Instrumenten ganz persönliche Ständchen. «50 Jahre Musikschule, es hat sich gelohnt, das heisst geclownt», lacht Anton.

Clown Anton Lebensfreude, privat Daniel Waibel aus Die­polds­au, wie auch Clown Amadeus, Enriques Saenz aus Schlieren, engagieren sich schon seit Jahren als Traumdoktoren in Kinderspitälern und seit drei Jahren bei der Stiftung Lebensfreude. Diese Organisation mit Sitz in Frauenfeld verfolgt das Ziel, die Lebensfreude betagter, dementer oder behinderter Menschen zu fördern. Besonders Humor, individuelle Zuneigung und Kreativität sollen durch regelmässige Besuche von speziellen Künstlern für leidende oder einsame Menschen zur Kraftquelle werden.

Ein Punkt in dem sich die Besuche der Stiftung Lebensfreude von anderen Aktivitäten unterscheiden, ist ihre Individualität. Es gibt keine Veranstaltung, wo sich viele Bewohner in einem Raum befinden und der Clown gleichzeitig für alle auftritt. Viele ältere Menschen fühlen sich in der Gruppe nicht allzu wohl oder können wegen ihrer schwachen Gesundheit nicht teilnehmen. So werden die Besuche individuell gestaltet, jeder Besuch ist anders, doch immer steht die betroffene Person im Mittelpunkt. Die Besuche sind wie wärmende Sonnenstrahlen, die durch das Haus ziehen. Das Leben nicht nur mit Tagen füllen, sondern die Tage mit Leben, dieses Ziel haben die beiden Künstler an diesem Nachmittag erreicht.

Hinweis

Benefiz-Matinée zu Gunsten der Stiftung Lebensfreude:

Swiss-German Dixie-Corporation mit Pepe Lienhard und Dani Felber, Sonntag, 11. Juni, 10.58 Uhr, Casino Frauenfeld.