WÄNGI: Das tägliche Brot und mehr

Das Ortsmuseum eröffnet am Samstag mit einer Vernissage seine Saison. Die Ausstellung «Essen und Trinken früher» gibt Einblicke in die einstige Essenskultur.

Maya Heizmann
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Hermann Stamm, Präsident des Stiftungsrates, und Kurator Hansruedi Aeberhard mit einem alten Wirtshausschild. (Bild: Maya Heizmann)

Hermann Stamm, Präsident des Stiftungsrates, und Kurator Hansruedi Aeberhard mit einem alten Wirtshausschild. (Bild: Maya Heizmann)

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En Guete und Prost: Die neue Sonderausstellung im obersten Stock in der Adlerscheune wurde mit viel Liebe zum Detail eingerichtet und beleuchtet Themen rund um die Nahrungsaufnahme. «Die inländischen Grundnahrungsmittel wie Getreide, Gemüse und Obst sind praktisch die gleichen geblieben wie vor hundert Jahren», sagt Kurator Hansruedi Aeberhard.

Die Tischsitten hingegen waren strenger, Kinder durften am Tisch kaum sprechen, und meistens leitete ein Tischgebet das Essen ein. Ein typisches Menu von früher bestand aus Getreidebrei, Suppe, Kartoffelspeise und einem währschaften Eintopf. Früher wurde alles verwertet, Sparsamkeit war das oberste Prinzip. Der Sonntagsbraten war jeweils ein Festessen.

Später stieg der Fleischkonsum in all den Jahren stetig an, 1961 betrug er 23 Kilogramm pro Kopf und Jahr, 2016 bereits 51 Kilogramm. Die Tendenz des Fleischkonsums ist heute indes wieder leicht rückgängig, dank der Veganer und Vegetarier.

20 Rebberge rund um Wängi

Getrunken wurde neben Wasser Traubenwein sowie Apfelmost mit Alkohol. Diese vergorenen Säfte gab man auch den Kindern zu trinken, sie wurden jedoch mit Wasser verdünnt. Bier war ein Luxusartikel und deshalb viel zu teuer. Rund um Wängi gab es um die 20 Rebberge, wie in Jakobsbad und in Wiberg.

Kaffee war ebenfalls ein Luxusgetränk, er wurde mit Zichorie gestreckt. Ebenso wurden die Speisen mit Dörren, Einsalzen, Räuchern und Einmachen haltbar gemacht, ebenso kamen Essig, Milchsäuregärung und Zucker zum Einsatz. Gesüsst wurde mit Zuckerrüben, Honig, Ahornsaft und Birnendicksaft. Eigene Konserven herzustellen war die Pflicht einer guten Hausfrau. Heute ist die Tiefkühltruhe dafür verantwortlich.

Die Ausstellung zeigt auch das Lädelisterben in Wängi auf. Die Tante-Emma-Läden, Spezereihandlungen und Kolonialwarenläden sind verschwunden. Ebenso sind von ehemals 20 Gasthäusern nur noch sechs Restaurants in Wängi und Tuttwil vorhanden.

In Wängi gab es 1916 gar eine Hungersnot. Die Menschen assen Suppe aus Gras. Schuld war der Ausbruch des Vulkans Tambora in Indonesien, der so stark wie drei Millionen Hiroshima-Bomben war. Der Himmel war verdunkelt und es gab ein kühles Jahr ohne Sommer.

Vernissage: Samstag, 6. Mai, 16.15 Uhr. Die Ausstellung sowie das Museumskafi sind jeweils am ersten Sonntag der Monate Mai bis Oktober bei freiem Eintritt von 10.30 bis 16 Uhr geöffnet.