WÄNGI: Als der Pfarrer auch Lehrer war

Das Ortsmuseum Wängi präsentiert eine Sonderausstellung mit dem Thema «Wängi und seine Schulen». Eröffnung in der Adlerscheune ist am Samstag um 16.15 Uhr. Danach werden die Exponate bis Oktober gezeigt.

Maya Heizmann
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Kurator Hansruedi Aeberhard drückt für seine diesjährige Sonderausstellung wieder die Schulbank. (Bild: Maya Heizmann)

Kurator Hansruedi Aeberhard drückt für seine diesjährige Sonderausstellung wieder die Schulbank. (Bild: Maya Heizmann)

WÄNGI. Schwarze Schiefertafeln und kratzende Kreiden, Schulbänke mit Tintenfässlein und Federhaltern, Hefte mit schön geschriebener Schnürlischrift, Schülertheks für Buben mit echtem Kuhfell – die neue Sonderausstellung des Wängemer Ortsmuseums gibt interessante Einblicke in die Entwicklung der Schule bis zur Gegenwart.

Nur 20 Schulhäuser

Laut einer Erhebung des damaligen Bildungsministers Philipp Albert Stapfer im Jahre 1799 gab es 1800 im Thurgau 115 Schulen, aber nur 20 Schulhäuser. Die Schulmeister unterrichteten mehrheitlich in ihren eigenen Stuben. Es waren meist Pfarrer und Priester, die zusätzlich als Lehrer tätig waren. Als Lehrmittel dienten vielfach das Neue Testament, Zeitungen und Briefe. Zu den Aufgaben der Lehrer gehörten: Buchstaben lehren, Silabieren, Buchstabieren, Lesen, Schreiben und Singen.

Kindergärtnerin Tante Dora

Die Anfänge der damals noch konfessionell getrennten Schulen in Wängi gehen ins Jahr 1730 zurück. 1798 entstand am Tuttlerberg die «Freischule Tuttwil», in Eggetsbühl bestand seit Mitte des 19. Jahrhunderts eine Schule. Die Schulen haben sich verändert, bestehen aber immer noch an allen drei Standorten. Die Ausstellung präsentiert interessante Klassenfotos und wichtige Personen, gibt Auskunft über die Behördenarbeit sowie Einweihungen und Bau der Schulhäuser.

Auch erinnert sie an Lehrerin Clara Reimer, die 57 Jahre in Lachen unterrichtete. Ihr Jahresgehalt betrug anfänglich 1500 Franken. Beliebt war auch Dora Kappeler, die von 1923 bis 1968 den Kindergarten betreute. Sie wurde «Tante Dora» genannt und erhielt zu ihrem 25-Jahr- Dienstjubiläum ein Velo und einen Blumenstrauss.

Besonders interessant sind die Schulwandbilder, die teils auch von den Lehrern selbst gestaltet wurden, wie die Gemeinde Wängi oder die Ruine Landsberg. Auf einem Plakat wird auf die Gefahren im Strassenverkehr aufmerksam gemacht. Da rennen Kinder auf die Strasse oder sitzen hoch auf einem Fuder Heu, ein Velofahrer hält sich an einem Lastwagen fest, der Kirschenpflücker steht auf einer wackligen Leiter und vieles mehr. Diese Anschauungsmöglichkeiten wurden von einem sogenannten Epidiaskop, auch bekannt als «Daraufdurchschaugerät» und einem Filmprojektor ergänzt. Aufschluss über den Wandel im Bildungswesen gibt auch der Lehrplan der Primarschulen aus dem Jahre 1902, der neun Seiten umfasste, der aktuelle Lehrplan 21 weist 470 Seiten auf.

Neu mit Museumscafé

«Das meiste Material stammt aus unserem Fundus des Ortsmuseums», sagt Kurator Hansruedi Aeberhard. Nebst der Sonderausstellung wird die Dauerausstellung neu gestaltet. So werden Objekte zu Obst- und Rebbau im Untergeschoss gezeigt. Ebenso wurde ein Museumscafé eingerichtet. Die Ausstellung ist jeweils am ersten Sonntag der Monate Mai bis Oktober von 10.30 bis 16 Uhr bei freiem Eintritt geöffnet.

Die Vernissage findet am Samstag, 30. April, um 16.15 Uhr statt. Der Anlass wird von einem Apéro umrahmt.

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