Vorsicht. Luftschloss!

Betrüger versuchen immer wieder, Wohnungssuchende mit fingierten Inseraten um Geld zu prellen. Derzeit versucht eine Engländerin eine Maisonette in der Stadt St. Gallen zu vermieten, die ihr aber gar nicht gehört.

Janique Weder
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Legende (Bild:)

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ST. GALLEN. Schon zu Beginn schien die Geschichte zu schön, um wahr zu sein: Eine 5,5-Zimmer-Maisonette an der Stückelbergstrasse im St. Galler Quartier St. Otmar. Zentral und dennoch ruhig gelegen, mit Balkon, moderner Küche und renoviertem Bad. Ausgeschrieben war die Wohnung auf der Internetseite des Vergleichsdiensts Comparis für eine monatliche Miete von 1250 Franken. Wer die Inserentin kontaktierte, erhielt umgehend eine Antwort. In fehlerhaftem Deutsch erklärte die Engländerin, dass sie «Projektmanagerin in Tiefbau» sei und derzeit wegen eines «grosses Bauprojekts» in London wohne. Die Wohnung in St. Gallen habe sie während eines längeren Aufenthalts in der Ostschweiz gekauft. Nun wolle sie sie vermieten.

Man schreibt sich ein paar Mal hin und her, das Vertrauen wächst. Dann, plötzlich, wird die Frau konkret. Sie sei schon einmal von England nach St. Gallen gereist, um jemandem die Wohnung zu zeigen, der schliesslich nicht erschienen sei. Das habe sie viel Geld gekostet. Diesmal wolle sie Sicherheit. Sie erzählt von einem Agenten der Bettenvermittlungsplattform Airbnb, der die Wohnungsbesichtigung übernähme. Als Beweis dient ein Link auf die echte Airbnb-Seite mit unzähligen rechtlichen Bestimmungen. Den Schlüssel will die Engländerin per Post schicken. Dafür verlangt sie zwei Wohnungsmieten in der Höhe von 2500 Franken. Das Ganze sei natürlich ohne Risiko: Wem die Wohnung nicht gefällt, erhält sein Geld zurück, verspricht die Frau. Als nächstes folgt ein Mail des vermeintlichen Agenten von Airbnb – mit Bankangaben zur Überweisung.

Die Wohnung war gar nicht frei

Auch Daniel Candrian ist auf das Inserat für die Wohnung an der Stückelbergstrasse aufmerksam geworden. Auch er hat Kontakt aufgenommen, und auch bei ihm hat sich die Engländerin per Mail gemeldet und eine Kaution verlangt. Bezahlt hat der 33-Jährige nicht. Er suchte stattdessen den Kontakt zu den Mietern, die im besagten Haus an der Stückelbergstrasse wohnen. Und stiess auf Romuald Werinos, der aus allen Wolken fiel. In seinem Haus sei keine Wohnung frei, auch nicht die Maisonette-Wohnung, sagte er gegenüber Candrian.

Die Polizei ist machtlos

Daraufhin ging Daniel Candrian zur Polizei. Diese hätte nicht viel machen können, sagt er. Kantonspolizei-Sprecher Gian Andrea Rezzoli bestätigt: «Eine Rückverfolgung ist schwierig.» Häufig sässen die Betrüger in Afrika, manchmal auch in Asien, und operierten mit verschlüsselten Servern. «Da sind uns die Hände gebunden, auch, weil die polizeiliche Zusammenarbeit mit diesen Ländern oft schwierig ist.» Die Kantonspolizei St. Gallen setzt deshalb auf Präventionsarbeit. Auch, weil es bei einer Anzeige meist zu spät ist. «Wer bezahlt hat, sieht das Geld nicht wieder», sagt Rezzoli.

Beim Vergleichsdienst Comparis, auf dessen Website das Inserat geschaltet wurde, kennt man das Problem. Die Masche, sagt Sprecher Felix Schneuwly, sei immer dieselbe: Der Vermieter weilt angeblich im Ausland, den Hausschlüssel will er per Post schicken, dafür verlangt er aber eine Kaution. Wer bezahlt, hört nie mehr etwas von ihm. «Die Betrugsfälle häufen sich», sagt Schneuwly. «Wir überprüfen deshalb alle Inserate.» Wo eine Miete stark vom ortsüblichen Preis abweicht, fragt Comparis nach. Doch diese Kontrolle alleine reiche oft nicht aus. Deshalb sei es wichtig, die Konsumenten für solche Betrugsfälle zu sensibilisieren (siehe Kasten).

Den Namen googeln

Auch bei Airbnb schlägt man sich laut Sprecher Julian Trautwein mit solchen Betrügern herum. «Dabei haben wir gar keine Agenten, die Hausbesichtigungen durchführen.» Trautwein empfiehlt, sich die Mailadresse des angeblichen Vermieters anzuschauen oder dessen Name zu googeln. «Meistens findet man dann etwas, was auf einen Betrug hinweist.»

Und die Maisonette-Engländerin? Sie scheint cleverer zu sein als die meisten. Über sie steht nichts in Netz. Und deshalb wird sie wohl auch in Zukunft fiktive Traumwohnungen zu Schnäppchenpreisen anbieten.

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Fotos aus Wohnungen, die gar nicht gemietet werden können. (Bild: pd)

Fotos aus Wohnungen, die gar nicht gemietet werden können. (Bild: pd)

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