VORBILD: Pioniertat im Betreibungswesen

Der Kanton macht einen weiteren Schritt in Richtung Digitalisierung. Betreibungsauszüge können neu online bestellt und bezahlt werden. Den dafür entwickelten E-Shop können auch andere kantonale Ämter nutzen.

Larissa Flammer
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Der Betreibungsauszug kann online bestellt und bezahlt werden, verschickt wird er werktags innert 24 Stunden per Post. (Bild: PD)

Der Betreibungsauszug kann online bestellt und bezahlt werden, verschickt wird er werktags innert 24 Stunden per Post. (Bild: PD)

Larissa Flammer

larissa.flammer@thurgauerzeitung.ch

Seit April kann die Thurgauer Bevölkerung Betreibungsauszüge online bestellen und auch gleich bezahlen. «Eine digitale Dienstleistung, die der aktuellen Entwicklung und dem veränderten Kundenverhalten entspricht», sagt Roger Wiesendanger, Leiter des Konkursamts und Betreibungsinspektorats. Er hat das Digitalisierungsprojekt gemeinsam mit Vertretern anderer kantonaler Ämter initiiert. Diese flächendeckende elektronische Lösung mit einem Zahlungssystem ist schweizweit einzigartig, wie es in der aktuellen Personalzeitschrift des Kantons heisst.

Das Angebot ist gefragt: Seit dem 3. April wurden bereits 1733 Anfragen über diese Plattform verarbeitet. «Betreibungsauszüge braucht man für ganz vieles», sagt Wiesendanger. Etwa bei der Bewerbung für eine Wohnung oder um einen Job, beim Beantragen einer Hypothek oder wenn man etwas leasen will. «Heute werden ja immer häufiger Autos und sogar Kühlschränke geleast.»

Interessennachweis muss online eingereicht werden

Für Privatpersonen und Firmen kostet ein Betreibungsauszug 18 Franken inklusive Porto, öffentlichrechtliche Körperschaften können diesen gratis beantragen. Zu den befugten Körperschaften gehören die Kesb, die Kantonspolizei, die Steuerverwaltung, das Migrationsamt, das Amt für Bevölkerungsschutz und Armee, die Staatsanwaltschaft, das Konkursamt sowie die Gemeinden. «Es funktioniert genau wie bisher. Nur muss der Antrag nicht mehr am Schalter getätigt werden», erklärt Wiesendanger.

Wer den Betreibungsauszug einer anderen Person beantragen will, muss einen Interessennachweis online hochladen. «Eine Firma muss etwa einen Arbeitsvertrag vorlegen, wenn sie zukünftige Mitarbeiter überprüfen will.» Das zuständige Bezirksbetreibungsamt würde auch mal einen Telefonanruf machen, wenn ein Nachweis nicht ganz glaubhaft sei. Wiesendanger betont: «Da dürfen uns keine Fehler unterlaufen.»

Sein Amt tätigt pro Jahr zirka 34000 Transaktionen. «Das Ziel ist es, dass möglichst viele online abgewickelt werden und weniger am Schalter.» Der Kanton hat zusammen mit externen Partnern einen eigenen E-Shop entwickelt und arbeitet mit einem profes-sionellen Schweizer Zahlungsdienstleister zusammen. Das System können künftig auch andere Ämter nutzen. Die Zahlung wird direkt über die kantonale Finanzverwaltung abgewickelt. Das System erkennt, zu welchem Amt welche Zahlung gehört. «So wird beim Kanton nicht mehr unnötig Geld verschoben.»

Bedenken bezüglich Daten­sicherheit seien aus der Bevölkerung überhaupt keine gekommen, sagt Wiesendanger. «Der Auszug wird ja physisch per Post verschickt, die Daten schwirren nicht im Internet herum.» Auch gehöre der E-Shop dem Kanton selber und befinde sich nicht irgendwo in den USA.

Künftig soll auch Post digital erfasst werden

Roger Wiesendanger übernahm vor etwas mehr als einem Jahr den Job als Amtsleiter des Konkursamts, Betreibungsinspektorats und der Friedensrichterämter. Im Rahmen der Leistungsüberprüfung entschied er sich aus Effizienzgründen, die Digitalisierung in seinem Amt voranzutreiben. Wiesendanger arbeitet bereits an der Umsetzung eines weiteren Digitalisierungsprojekts: Die Post seines Amts soll an einem Standort gescannt werden und direkt auf dem Bildschirm der entsprechenden Mitarbeiter erscheinen. «Mein Ziel ist es, in Zukunft möglichst papierlos zu arbeiten.»

www.betreibungsamt.tg.ch/online-registerauszug