Vor Mauer des Schweigens

Tausende Ausländerinnen sollen in der Schweiz zur Prostitution gezwungen werden. Doch im Thurgau mit über 50 Sexclubs und Bordellen ist nichts bekannt.

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Gemäss einem neueren Bericht zuhanden des eidgenössischen Justizdepartementes gelangen jährlich zwischen 1500 und 3000 Frauen als Opfer von Menschenhändlern in die Schweiz. Es müsse davon ausgegangen werden, dass es auch im Thurgau Fälle von Zwangsprostitution gebe, wandte sich vor einem Jahr die inzwischen abgewählte Frauenfelder SP-Kantonsrätin Sybille Kaufmann an den Regierungsrat.

Regelmässige Kontrollen

Aktenkundig ist allerdings kein einziger Fall, wie Abklärungen des Kantons in den letzten Monaten ergeben haben. Und das obwohl es im Thurgau 50 einschlägige Etablissements und Clubs gibt und die Polizei sie regelmässig kontrolliert, wie der Regierungsrat in seiner Antwort auf die Fragen von Kaufmann schreibt. 70 bis 80 Prozent der Frauen dort stammten aus Estland, Lettland, Litauen, Polen, Ungarn, Slowenien, der Slowakei oder der Tschechischen Republik und benötigten eine Aufenthaltsbewilligung, um hier arbeiten zu können. Die meisten von ihnen würden sich legal in der Schweiz aufhalten, wie die Kontrollen zeigten.

Aufwendige Verfahren nötig

Ob es darunter Opfer von Menschenhändlern gebe, sei «äusserst schwer zu sagen», muss der Regierungsrat auf die eigentliche Frage von Kaufmann passen. Wenn es so wäre, könne davon ausgegangen werden, dass die betroffenen Frauen schweigen würden, weil sie unter ständiger Angst leben würden, bedroht und geschlagen von ihren Zuhältern. Die Praxis habe gezeigt, dass Verfahren zum Nachweis von Menschenhandel sehr komplex und aufwendig seien. Nötig seien Telefonüberwachungen und Observationsbegleitung.

Im Thurgau haben die Strafverfolgungsbehörden nach Angaben des Regierungsrates bis jetzt noch keine speziellen Massnahmen vorgekehrt, um Opfer von Menschenhandel und Zwangsprostitution zu erkennen und die Täter zu überführen. Die Polizei hat in der Ausbildung aber einen Schwerpunkt zu diesem Thema gesetzt. (mso)

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