Von Zürich West bis Appenzell Innerhoden

Relikt der Telekommunikation im Einkaufszentrum Passage

Stefan Hilzinger
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Der gut frequentierte Apparat in der «Passage». Dahinter das Telefonbuch Nr. 22 «Thurgau» aus dem Jahr 2010. (Bild: Stefan Hilzinger)

Der gut frequentierte Apparat in der «Passage». Dahinter das Telefonbuch Nr. 22 «Thurgau» aus dem Jahr 2010. (Bild: Stefan Hilzinger)

Die Firma Meierhofer in Mellingen gibt es seit 2000 nicht mehr. Sie wurde damals übernommen. Doch es gab Zeiten, da prangte das Logo der Aargauer Firma mehrfach in jeder Schweizer Telefonkabine. Denn Meierhofer stellte die Schilder her, welche die dicken Telefonbücher kennzeichneten, die neben jedem öffentlichen Apparat zu finden waren. Die Telefonbücher zum Hoch- und Umschwenken und Ausklappen: ein Klassiker an Design und Funktionalität. Doch so wie es die PTT nicht mehr gibt und die Firma Meierhofer verschwunden ist, machen sich auch öffentliche Sprechstellen rar.

In Frauenfeld existieren gerade noch deren vier, ist von Swisscom-Mediensprecherin Sabrina Hubacher zu erfahren. Publifone, wie sie genannt sein wollen, gibt es bei der Post im Talbach und im Kurzdorf, eines am Bahnhof auf Perron 1 und eines im Langdorf auf dem Plätzchen in der Gabelung von Zürcherstrasse und Oberkirchstrasse. Die einstige Kabine beim Einkaufszentrum Schlosspark ist seit geraumer Zeit ein öffentlicher Bücherschrank.

Doch es gibt eine weitere öffentliche Sprechstelle. In der Passage prangt ein Apparat im Erdgeschoss neben den Liften. Es kann mit Münz oder Karten telefoniert werden. Die Rufnummer lautet 052 720 36 98. «Das ist ein privates Publifon», sagt Mediensprecherin Hubacher. Die Swisscom betreibe es im Auftrag der Migros Genossenschaft Ostschweiz. Neben dem Apparat hängen die Telefonbücher Nr. 18, 19, 20, 22 und 23, was die Regionen von Zürich West bis Appenzell Innerrhoden abdeckt. Die Bände sind erstaunlich gut erhalten, wo man doch aus Filmen die Szene kennt, wie der Held mangels Stift und Papier gleich die ganze Seite rausreisst, um sich Anschrift und Rufnummer zu beschaffen. Ob eine mutwillige Sachbeschädigung im vorliegenden Fall weiterhelfen würde, ist allerdings fraglich. Denn die Bände in der Passage datieren aus dem Jahr 2010. «130 Jahre Telefonbuch» steht auf dem blauen Deckel.

Telefonbücher sind auch im digitalen Zeitalter nicht ganz von der Bildfläche verschwunden. Herausgeberin ist Localsearch, eine Tochterfirma von Swisscom und Publigroup. Die Bände werden von Jahr zu Jahr dünner, weil keine Pflicht mehr besteht, sich einzutragen. Die Auflage ist von 3,7 Millionen (2012) auf aktuell 2,7 Millionen Exemplare gefallen. «Publifone sind bereits seit Jahren nicht mehr mit Telefonbüchern bestückt worden», sagt Hubacher. Private Anbieter eines öffentlichen Telefons müssten die Verzeichnisse gegebenenfalls selbst à jour halten. Die Benutzung von Telefonkabinen ist mit dem Aufkommen der Handys zusammengebrochen. Die Anzahl Gespräche ist von 2004 bis 2016 um 95 Prozent zurückgegangen. Doch der Apparat in der Passage muss eine Ausnahme sein. «Mir ist gesagt worden, das er rege benutzt werde», sagt Zentrumsleiter Jörg Ehrensperger.

Stefan Hilzinger

stefan.hilzinger@thurgauerzeitung.ch