Von «sehr gut» bis «sensationell»

Die St. Galler haben die Stadt Zürich eingenommen – nun folgt die Manöverkritik: Sowohl die Eroberer als auch die Eroberten sind mit dem Auftritt des Gastkantons am Sechseläuten zufrieden.

Adrian Vögele
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«Etwas anders»: Das St. Galler Sechseläuten-Pferd, unterwegs auf der Uraniastrasse in Richtung Limmat. (Bild: Urs Jaudas)

«Etwas anders»: Das St. Galler Sechseläuten-Pferd, unterwegs auf der Uraniastrasse in Richtung Limmat. (Bild: Urs Jaudas)

Die Reaktionen unzähliger Zuschauer am Sechseläuten-Montag in der Zürcher Innenstadt beweisen es: Die Mission des Gastkantons St. Gallen mit dem Titel «Züri iineh!» ist erfüllt. Am Tag danach zeigt sich auch Andreas Weidmann, Sprecher der Zünfte Zürichs, angetan vom Ostschweizer Auftritt. «Was die St. Galler geboten haben, war sehr gut.» Man habe gemerkt, dass die Verantwortlichen viel Aufwand in die Präsentation gesteckt hätten. «Das begann damit, dass der Gastkanton bereits in der Woche vor dem Fest in Zürich sichtbar wurde – mit grünen Flaggen, dem Trojanischen Pferd und dem Bratwurst-Verkauf», sagt Weidmann.

«Zündende Ideen»

Das grün dominierte, einheitliche Erscheinungsbild der St. Galler Delegation zeuge davon, dass der Gastkanton auch einiges an Geld in den Auftritt investiert habe. «Doch Geld allein genügt nicht; vor allem braucht es zündende Ideen», sagt Weidmann. Damit meint er unter anderem die unkonventionelle Ankunft der Delegation am Freitagabend – den «Angriff» der Stadt Zürich vom See her, begleitet von Böllerschüssen der Zünfte. Sogar die «Neue Zürcher Zeitung» liess sich davon zu einem launigen Text verleiten und stellte am Samstag bereits fest, der Sechseläuten-Gastkanton habe Zürich tatsächlich eingenommen – «wer weiss, was uns noch alles blüht».

Hit trotz Eroberungsphantasien

Auch die kulturell-kulinarischen Angebote der St. Galler auf dem Lindenhof seien sehr gut angekommen, sagt Weidmann. «Das schöne Wetter hat natürlich seinen Teil dazu beigetragen.» Am Sonntagnachmittag gingen sogar die St. Galler Bratwürste aus; der Nachschub musste mit einer Polizeieskorte durch die Staus hindurchgeschleust werden. Das erstaunt nicht, pries doch die NZZ die St. Galler Bratwurst am Tag darauf als «Krone ihrer Gattung», die am Sechseläuten gar dem Böögg die Aufmerksamkeit streitig mache.

Die Darbietung der St. Galler am Umzug der Zünfte schliesslich bezeichnete das Regionaljournal Zürich-Schaffhausen des Radios SRF als «Hit trotz Eroberungsphantasien». Für den Sprecher der Zünfte war der Auftritt mit dem Trojanischen Pferd schlicht «sensationell». Einzig Daniela Lager, die Moderatorin der Liveübertragung am Schweizer Fernsehen, zeigte sich leicht entrüstet über das unverfrorene Motto des Gastkantons und stellte Regierungspräsident Martin Gehrer zur Rede. Dieser parierte freundlich, machte aber keine Zugeständnisse, als es um den Verzehr von St. Galler Bratwürsten mit Senf ging.

«Etwas anders»

Canisius Braun, St. Galler Staatssekretär und Präsident des Organisationskomitees für den Sechseläuten-Auftritt, nimmt ebenfalls das Wort «sensationell» in den Mund. Die positiven Reaktionen führt er darauf zurück, dass die St. Galler «etwas anders» dahergekommen seien als die Zürcher Zünfte. Schon die Ankunft per Schiff am Bürkliplatz habe mehrere hundert Leute angelockt – «ich war völlig überrascht.»

Nun steht die Nachbereitung des Gastauftritts an. Konkrete Zahlen hat Braun zurzeit noch keine. «Ich habe aber beispielsweise gehört, dass der Lindenhof so gut besucht war wie noch selten während des Sechseläutens.»