Von Melkrobotern und Table-Dance-Bars

Sie kann lustvoll sein, manchmal verwirrend oder auch mal hemdsärmlig: Politik im Frauenfelder Rathaus, wenn sich der Gemeinderat mit dem Stadtrat in episch-lyrischen Redeschlachten duelliert. Folgend die besten Zitate aus den Debatten von Dezember 2014 bis November 2015.

Stefan Hilzinger und Mathias Frei
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An der diesjährigen Budgetsitzung des Gemeinderats im Grossen Bürgersaal. (Bild: Andrea Stalder)

An der diesjährigen Budgetsitzung des Gemeinderats im Grossen Bürgersaal. (Bild: Andrea Stalder)

Sie kann lustvoll sein, manchmal verwirrend oder auch mal hemdsärmlig: Politik im Frauenfelder Rathaus, wenn sich der Gemeinderat mit dem Stadtrat in episch-lyrischen Redeschlachten duelliert. Folgend die besten Zitate aus den Debatten von Dezember 2014 bis November 2015.

• «Nach all den düsteren Wolken vielleicht noch ein kleiner Lichtblick zum Schluss.»

Beim Budget 2015 wird Michael Lerch (FDP) zum Meteorologen.

• «Obwohl der Finanzplan schon mehr Seiten umfasste, gab er in unserer Fraktion Anlass zu Diskussionen.»

Für Herbert Vetter (SP) liegt in der Kürze die Würze.

• «Ich habe das Protokoll im Extranet nicht gefunden, und mir ist auch nicht bewusst, dass ich es gelesen habe.»

Vielleicht hat Thomas Gemperle (SVP) das Protokoll ohne Bewusstsein gelesen?

• «Sie alle haben die Botschaft erhalten und – so nehme ich an – studiert.»

Und alle im Bürgersaal nicken, als Michael Hodel (EVP) das sagt.

• «Es kann jedem von uns, auch Ihnen, einmal passieren: Etwas verändert sich und es kommen unerwartete, unausweichliche Kosten auf Sie zu. [...] Im Privatleben sehe ich drei legale Möglichkeiten.»

Muss man sich Sorgen machen um Thomas Gemperle?

• «Heute vor einer Woche hat der Kantonsrat das Budget bewilligt, das sind wesentlich dickere Bücher, wesentlich grössere Zahlen. Es waren mindestens zehn weitere Traktanden auf der Traktandenliste.»

Stadtammann Carlo Parolari will damit sagen: Der Grosse Rat ist fleissiger als der Gemeinderat.

• «Auch wenn es einige von Ihnen vielleicht nicht gern hören, ich wiederhole es trotzdem.»

Das hat Carlo Parolari als Familienvater gelernt.

• «Gerne wiederhole ich hier, was ich in der Debatte zum Voranschlag 2012 gesagt habe.»

Auch bei Pascal Frey (SP) gilt: Steter Tropfen höhlt den Stein.

• «Da gehen mein Mitarbeiter Daniel Bauer und ich persönlich zu Firmen, [...], wenn es sein muss über den Mittag, und zeigen den Interessenten diese Grundstücke.»

Wann isst Carlo Parolari Zmittag?

• «Ich will auch nicht, dass es heisst, der Stadtrat Huber und Gemeinderat Elliker bekommen eine Autobahnverbindung zueinander.»

Andreas Elliker (SVP) ist kein Freund der Autofahrer.

• «Es ist etwas eigenartig für mich.»

Hat Stadtrat Urs Müller dieselben Bewusstseinsstörungen wie Thomas Gemperle?

• «Ich komme jetzt nicht mehr draus. Jetzt würde ich gern wissen, um welchen Antrag es geht. Sind es nun vier Anträge oder ist es nur ein Antrag?»

Peter Hausammann (CH) ist komplett verwirrt.

• «Die Spatzen pfeifen es von den Dächern: Tunnel helfen uns nicht mehr weiter.»

Heinrich Christ (CH) ist, so scheint's, gut zu Vögeln.

• «Und zwar geht es um die Prüfung bei einem Kauf eines Melkroboters. Auf dem weltweiten Markt haben sich zwei Marken etabliert. Also würde ich bei einer dieser beiden Marken einen Melkroboter kaufen und ganz sicher nicht bei einer unerfahrenen Firma.»

Andreas Elliker und seine Berichte aus dem Berufsalltag.

• «Das ist nicht sauber, das ist ein bisschen Erpressung.»

Oberrichter Peter Hausammann wittert Arbeit für sich.

• «Peter Hausammann und ich sind zwar nicht immer gleicher Meinung, aber in diesem Punkt sind wir gleicher Meinung.»

Sind Marcel Epper (CVP) und Peter Hausammann nun «best friends forever»?

• «Ich bitte alle Gemeinderätinnen und Gemeinderäte, nach der Sitzung nicht die Seitenausgänge des Holdertors zu benutzen. Wenn dort die Glastür Rathaus-Holdertor geschlossen ist, wird jedesmal ein Alarm ausgelöst, wenn der Handtaster gedrückt wird, und somit rücken zwei Hauswarte aus.»

Ratspräsident Kurt Sieber (SVP) sorgt für Recht und Ordnung.

• «Ich kann Ihnen sagen, wenn die Stadt eine Rathausbäckerei eröffnen würde, wäre ich der erste, der neben Godi eine Motion unterschreiben würde.»

Heinrich Christ ist grosser Fan von Godis Gipfeli.

• «Glaubt der Stadtrat im Ernst, er könne einfach so eine Tunnel Frauenfeld AG gründen und ein grosses Loch bohren? Oder eine Gesellschaft mit beschränkter Haftung für eine Table-Dance-Bar?»

Mario Weber (CH) fabuliert über mögliche öffentliche Aufgaben.

• «Bitte gönnen Sie mir die Freude und folgen Sie wenigstens einem einzigen meiner Anträge in der ablaufenden vierjährigen Amtsdauer.»

Fredi Marty (MproF) sucht den Erfolg.

«Gemeinderat Marty, ich mag Ihnen das sehr gönnen, und ich befürworte Ihren Antrag.»

Carlo Parolari wird altersmilde.

• «Wir können uns nichts darauf einbilden, in einem Schweizer Ranking vor dem Kanton Appenzell zu liegen.»

Sagt Mario Weber. Die Frage ist vor allem: Ausserrhoden oder Innerrhoden?

• «An der reduzierten Beleuchtung hier im Rathaussaal können Sie feststellen, dass wir das Votum von Gemeinderat Stefan Geiges bereits aufgenommen und mit dem Sparen begonnen haben.»

Stadtrat Ruedi Huber hat immer ein offenes Ohr für Inputs.

• «Ihnen war klar, dass dieses Projekt nicht unbedingt eine Goldgrube wird.»

Stefan Leuthold relativiert Erwartungen an die Wärme Frauenfeld AG.

• «Private würden so ein Projekt aus wirtschaftlichen Gründen wohl eher nicht starten.»

Für Herbert Vetter gibt's keine Energiewende zum Nulltarif.

• «Gleichzeitig warne ich hier aber davor, die Wärme Frauenfeld AG verbal zu zerreissen.»

Marcel Epper leistet verbale Schützenhilfe.

• «Für einmal war die Kombination von Bauunternehmer und Jurist die Richtige!»

Stefan Geiges (CVP) zur Zusammenarbeit mit Peter Hausammann bei der Motion zur Wärme Frauenfeld AG.

• «Die Finanzkompetenzen wurden extrem strapaziert.»

Sagt Stefan Geiges.

«Aus unserer Sicht hat der Stadtrat nach wie vor seine Kompetenzen, zumindest im engeren Sinn, nicht überschritten.»

Entgegnet Stadtrat Ruedi Huber.

• «Am liebsten wäre uns allen ein Tausendsassa oder eine Tausendsassa, die beide Seiten unter einen Hut bringen kann».

Heinrich Christ skizziert das Stellenprofil des künftigen Betriebsleiters des Casinos.

• «Bei einem neuen Pächter müsste auch die Küche saniert werden.»

Robert Zahnd (SVP) meint die Küche des Casinos.

• «Es wäre mir lieber gewesen, wir hätten über dieses oder jenes Geschäft vor einem Monat beraten, statt dessen wurde der Gemeinderat bei Kaffee und Kuchen auf die vermeintlichen Vorteile des Agro Food Innovation Parks eingestimmt.»

Fredi Marty lässt sich nicht so leicht ein- und umstimmen.

• «Ja, wir finden den geplanten Innovationspark eine gute Sache. Aber wir haben auch Vorbehalte.»

Sagt Pascal Frey und wird sogleich explizit.

«Von uns kritisch beäugt wird die monogame Nutzung des riesigen Areals.»

• «Unter Kollegen würde man sagen, es ist nur heisse Luft.»

Andreas Elliker zerpflückt den Bericht zum Afip in der Luft.

• «Deshalb sind wir nicht einfach im luftleeren Raum.»

Stadtpräsident Anders Stokholm hat eine andere Sicht auf das politische Raumklima.

• «Emotional fehlt mir das Funkeln in den Augen der Exekutivmitglieder und auch bei Ihnen, liebe Ratskolleginnen und -kollegen, funkelt es mir zu wenig.»

Stefan Geiges vermisst das innere Feuer für den Afip.

«Wenn uns das Funkeln fehlen sollte, dann liegt es vielleicht an der gedämpften Beleuchtung.»

Anders Stokholm blickt an die Saaldecke.

• «Diese Dinger bringen uns verschiedene Vorteile»

Heinrich Christ über Unterflurcontainer.

• «Unsere Fraktion hat gern eine saubere Stadt.»

Das sieht nicht nur Herbert Vetters SP so.

• «Aus meiner Sicht beginnt hier definitiv die Vergoldung eines gut funktionierenden Systems.»

Christoph Keller (SVP) mag nicht in das Loblied auf Unterflurcontainer einstimmen.

«Es schadet vielleicht auch gar nicht, unseren Kehricht noch einmal etwas anzuschauen.»

Nochmals Christoph Keller, diesmal aber mehr als Sekundarlehrer denn als Gemeinderat.

• «In einer Hand den Gehstock und in der anderen den Abfallsack.»

Alex Blumer (FDP) blickt in die Zukunft.

• «Das können Sie mir als Strassenbauer glauben.»

Stefan Geiges wirft in Sachen Einbahnverkehr alle Argumente in die Waagschale.

«Nichts mitgenommen, nichts daraus gelernt und fast nichts angepackt. Hier kann ich nur sagen: Schade!»

Stefan Geiges tadelt den Stadtrat.

«In dieser Situation, in welcher wir stecken, heisst es, besonnen zu bleiben.»

Stadtrat Urs Müller bewahrt währenddessen Ruhe.

• «Wir befinden uns in der jetzigen Diskussion in einer Huhn-Ei-Problematik.»

Michael Hefti (EVP) sinniert.

• «Unsere Sicht ist die, dass wir gesehen haben,…»

Die doppelte Einsicht des Stadtpräsidenten.

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