«Von Laien kommt unglaublich viel zurück»

MÜNCHWILEN. In einer Woche feiert «Der Besuch der alten Dame» im Sutter-Park in Münchwilen Premiere. Regisseurin Monika Wild bezeichnet es als Vorteil, dass keine Profis auf der Bühne stehen. Das Dürrenmatt-Stück unterlegt sie mit Musik, manch andere Geräusche sind indes nicht gewollt.

Simon Dudle
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Regisseurin Monika Wild leitet die Theaterproben im Sutter-Park. (Bild: Simon Dudle)

Regisseurin Monika Wild leitet die Theaterproben im Sutter-Park. (Bild: Simon Dudle)

«Irgendwann in den nächsten Tagen kommt ein Windstoss, der alle Puzzleteile zu einem Ganzen zusammenführt», beschreibt Regisseurin Monika Wild die aktuelle Situation. Sie spricht von «Chaos» und «normaler allgemeiner Verunsicherung», die eine solche Vorbereitung mit sich bringe.

Am Dienstag dieser Woche wurde erstmals mit Mikrophon geprobt, gestern kamen die Kostüme dazu. Das Wichtigste aber: «Die Darsteller sind sicher», sagt Wild.

Im Vergleich mit der Vorgänger-Produktion «Geierwally», in Maria Dreibrunnen gespielt, gibt es für die Regisseurin Veränderungen. Konnte sie damals ziemlich frei die Vorlage umschreiben und anpassen, so sind die Einschränkungen dieses Mal deutlich grösser, da das Stück rechtlich geschützt ist. Eine Aufgabe Wilds war, die Länge des Theaters um einen Drittel auf zwei Stunden zu kürzen.

Musik als Hilfsmittel

Trotzdem bringt Wild die eigene Note ins Spiel, im wahrsten Sinne des Wortes. Obwohl bei Dürrenmatt ungewohnt, hat sie sich entschieden, das Stück in gewissen Passagen mit Musik zu unterlegen. «Ich finde Musik phantastisch, um Produktionen zu untermalen», sagt Wild. Sie ergänzt: «Gerade beim Laientheater kann dieses stilistische Mittel hilfreich sein. Wenn es die Schauspieler nicht mehr weiterträgt, hilft die Musik.» Einmal mehr arbeitet die Bernerin mit Komponist Dany Nussbaumer zusammen. Da dieser in Berlin wohnt und erst seit gestern in Münchwilen zugegen ist, erfolgte die vorgängige gemeinsame Arbeit via Skype.

Dürrenmatt als Wagnis

Der Umstand, dass ausschliesslich mit Laienschauspielern gearbeitet wird, bringt aus der Sicht von Wild mehr Vor- als Nachteile. Sie sagt: «Profis können meine Ideen zwar konkreter umsetzen, mit Laien ist es aber dankbarer, da sie mit viel Enthusiasmus und Freude am Werk sind. Es kommt unglaublich viel zurück.» Man sei schon in einer frühen Phase zu einer grossen Familie zusammengewachsen, obwohl bei den Darstellern nur wenige von Geierwally noch mit dabei sind.

Nicht wegzudiskutieren ist aber der Umstand, dass die Schauspieler unterschiedlich viel Talent mitbringen und die quantitative Auswahl beim Casting überschaubar war. Für Wild ein reizvoller Punkt. «Wenn ich sehe, dass eine Person plötzlich einen Schritt vorwärts macht, dann erfüllt mich das mit Freude», sagt die Regisseurin.

Alles in allem ist das Stück aus ihrer Sicht ein Wagnis, da die einzelnen Rollenprofile anspruchsvoll, subtil und vielschichtig seien. «Der Laie setzt etwas in aller Regel schwarz oder weiss um, wenn es um subtile Geschichten geht, fehlt ihm etwas», weiss die Regisseurin.

Eine Herausforderung ist auch der Auftritt im Freien. Einerseits ist es bei schönem Wetter recht lange hell und die Scheinwerfer kommen nicht optimal zur Geltung, anderseits kann es bei Regen matschig werden, weshalb alles wetterfest sein muss. Sätze, die zum Beispiel auf schönes Wetter hinweisen, hat Wild herausgestrichen, um bei einem Regenschauer nicht ungewollte Lacher aus dem Publikum zu ernten.

Kirchen stellen sich quer

Ein Problem, das nicht behoben werden kann, sind akustische Einflüsse aus der Umgebung. In unmittelbarer Nähe des Spielortes Sutter-Park befinden sich die katholische und die evangelische Kirche Münchwilens sowie die Frauenfeld–Wil-Bahn. Sowohl die Kirche als auch die Eisenbahn sind im Stück «Besuch der alten Dame» zentrale Elemente. So ist es zuweilen schwierig zu unterscheiden, was zum Stück gehört und was nicht. Darum wollte Wild erreichen, dass die Glocken während der Aufführungen nicht schlagen, hat aber von den Kirchgemeinden als Antwort zu hören bekommen, es sei technisch gar nicht möglich, die viertelstündlichen Schläge abzuschalten.

Die Vorfreude auf die Premiere mag dies nicht entscheidend trüben. «Dem Publikum muss das Stück einfahren, dann bin auch ich zufrieden», sagt Wild.

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