Von Appenzellern und Mayas

Die neue Ausstellung im Ortsmuseum Matzingen befasst sich mit «Zeit und Kalender». Zur Vernissage fanden sich 50 Besucher ein.

Manuela Olgiati
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Matzingen. Im Obergeschoss stehen zwei Liegestühle bereit. «Man kann den Rundgang gelassen angehen», sagte Werner Müller, der Gestalter der neuen Sonderausstellung im Ortsmuseum Matzingen. Müller will einer breiteren Öffentlichkeit zeigen, wie sich unsere Vorfahren mit der Zeit beschäftigen. Der pensionierte Sekundarlehrer aus dem zürcherischen Wetzikon hat vor rund 15 Jahren mit seiner Sammlung zum Thema «Zeit und Kalender» angefangen.

Erst habe er die 100jährigen Kalender aus Appenzell gesammelt, dann sei er auf die Stundenbücher des Duc von Berry gestossen, sagte Müller. Die Malerei des Herzogs habe ihn so fasziniert, dass er weiteres Informationsmaterial zusammengetragen habe.

Astronomische Gesetze

Inzwischen gab diese Wechselausstellung bereits an neun Ostschweizer Ortsmuseen Einblicke in die astronomischen Gesetze.

In Matzingen werden auf zwei Stockwerken auf Tafeln besondere Funde über die historischen Kalender dokumentiert. Mit dem Maya-Kalender sollen die Menschen am 21.12.2012 in eine neue Zivilisation eintreten; Weltuntergangsstimmung wolle er mit dieser überlieferten Aussage jedoch nicht verbreiten, sagte Müller. Der Kalender als Zeitplaner ist schon sehr alt. Der einjährige Kalender informierte zum Aderlass oder förderte die Volksbildung. Die Babylonier kannten einen Kalender, basierend auf dem Mondjahr.

Die Ägypter waren die erste Kultur, die das Mondjahr durch ein Sonnenjahr ersetzten. Im antiken Griechenland wurde eine Mischung von Sonnen- und Mondkalender verwendet. Einen Lunisolarkalender gebrauchen die Juden noch heute. Schon früh klügelten unsere Vorfahren Mittel und Wege aus, die Abfolge der Veränderungen an Tieren und in der Natur zu beobachten. Sie bauten Gesteinsanlagen wie Stonehenge in England. Sonnenmuster signalisieren die lebenswichtigen Termine im Kalenderjahr.

Nach der Erfindung des Ackerbaus mussten die Bauern zur rechten Zeit säen und ernten. Unsere Vergangenheit wird an dieser Ausstellung besonders lebendig in alten Volkskalendern, in der Walliser Kalendertafel aus dem Jahr 1450 und in den alten Bauernkalendern aus dem 16. Jahrhundert.

Hochwasser 1876

Die rund 50 Vernissagebesucher im Haus Rosengarten wurden auch von Gemeindeammann und Stiftungsratspräsident Elmar Bissegger begrüsst.

Eine weitere Ausstellung befasst sich mit der Not, die das Hochwasser in Matzingen im Juni 1876 brachte.

Haus Rosengarten, Matzingen. Geöffnet bis am 3. Juli jeden ersten Sonntag im Monat von 14 bis 17 Uhr. Unter Tel. 052 376 14 47 werden Führungen ausserhalb der Öffnungszeiten angeboten.

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