Von 10 000 auf fast null

Beinahe-Fussgängerzone in der Vorstadt

Mathias Frei
Drucken
Teilen
Seine Hände sind derzeit nur halb so schmutzig: IGV-Präsident Patrick Wirth vor seinem Reisebüro in der Vorstadt. (Bild: Mathias Frei)

Seine Hände sind derzeit nur halb so schmutzig: IGV-Präsident Patrick Wirth vor seinem Reisebüro in der Vorstadt. (Bild: Mathias Frei)

Sackgasse! In eine Sackgasse fährt man nur, wenn man muss. Sechs Wochen lang war die Promenade Sackgasse – wegen der Holdertor-Baustelle. Und nun folgt noch der Deckbelagseinbau vor dem Regierungsgebäude. Bis morgen Abend, 17 Uhr. Jetzt kann man in der Vorstadt auf der Zürcherstrasse parkieren. Weil: Sackgasse.

Hier fahren normalerweise täglich 10000 Fahrzeuge durch. Am Montagvormittag fährt hier keiner durch. Ein Auto steuert in die Sackgasse, wendet dann aber. Wohl die Signalisation nicht beachtet. Patrick Wirth steht vor seinem Reisebüro an der Ecke Zürcherstrasse/Grabenstrasse. Für ihn als Präsident der IG Vorstadt und die anderen Gewerbler ist der Verkehr ein Dauerthema. Er streicht mit seinen Händen über die Simse seiner Schaufenster. «Weniger als halb so viel Dreck», sagt er und zeigt die leicht verrussten Handinnenflächen. Weniger Abgasruss, weniger Verkehrslärm: Das sei auch während der Holdertor-Baustelle festzustellen gewesen, sagt Wirth. Am Anfang der Bauzeit sei es «fast wie in den Ferien» gewesen. Kaum Verkehr. Dann sei die Signalisation ergänzt worden mit «Zubringer gestattet».

Aber die Sache mit dem vielen Verkehr ist eine Medaille mit zwei Seiten. Die Bars und Restaurants in der Vorstadt hätten klar profitiert von den vergangenen sechs Wochen, sagt Wirth. Bei schönem Wetter sass man in den Garten- und Strassenbeizen. Man konnte sich unterhalten, weil kaum Verkehrslärm störte. Ein Hauch von Italianità lag in der Vorstadt. Aber die Kehrseite: «Die Frauenfelder sind dazu erzogen worden, mit dem Auto in der Stadt einzukaufen», sagt Wirth. So habe die Holdertor-Baustelle möglicherweise für Umsatzeinbussen gesorgt, jedoch wohl eher in der Altstadt statt in der Vorstadt. Denn hier hätten die Bedingungen einen Strukturwandel mit sich gebracht. In der Vorstadt gebe es kaum mehr Geschäfte für den täglichen Bedarf. Man macht einen Termin, wenn man zum Optiker, Coiffeur oder ins Reisebüro geht. «Trotzdem würde wohl kein Gewerbler in der Vorstadt Nein sagen zu mehr Laufkundschaft.» Wirths Lösung wäre deshalb ein Tempo-30-Regime in der Vorstadt. Damit es Platz für alle hat.

Mathias Frei

mathias.frei@thurgauerzeitung.ch