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Vom Westen abgeschnitten

Wieder einmal hocke ich auf dem Fenstersims des Steckborner Rathauses. Drinnen sitzen unser Stadtpräsident und eine junge Dame. «Seit einigen Tagen sind wir abgeschnitten. Unsere Strasse in Richtung Mammern ist unterbrochen, ebenso die Bahnlinie», klagt der oberste Steckborner.

Wieder einmal hocke ich auf dem Fenstersims des Steckborner Rathauses. Drinnen sitzen unser Stadtpräsident und eine junge Dame. «Seit einigen Tagen sind wir abgeschnitten. Unsere Strasse in Richtung Mammern ist unterbrochen, ebenso die Bahnlinie», klagt der oberste Steckborner. «Und die Leute sind unzufrieden, weil sie die westliche Welt nicht mehr erreichen können.» «Für solche Fälle hat unser Beratungsbüro TBFY <the best for you> ein spezielles Desensibilisierungsprogramm entwickelt», erklärt die Dame.

«Desensi… was?» «Wir müssen versuchen, den Leuten die Freude am Westen auszutreiben. Wir machen es wie die katholische Kirche im Mittelalter, damals hat man die Fahrt aufs Meer hinaus verboten. Im Westen würden Ungeheuer wohnen, das Wasser werde immer zähflüssiger und die Seefahrer müssten erbärmlich sterben. Das hat doch zweihundert Jahre geholfen. Erst dann ist dieser Kolumbus gekommen und so richtig weit rausgefahren.» «Leider haben wir hier kein Meer», seufzt der Stadtpräsident. «Mit dem Untersee funktioniert das nicht.» «Das weiss ich doch auch», beruhigt ihn die Beraterin von TBFY, «darum schlage ich ein Filmprogramm vor, um die Leute abzulenken.» «Und welche Filme würden Sie unserer Bevölkerung zeigen?»

Sie legt einige Papiere auf den Schreibtisch. «Gut geeignet sind Western. Dort wird gezeigt, wie mühsam das Reisen ist. Bei Kämpfen mit Indianern und Banditen in den Rocky Mountains sind viele Leute gestorben. So etwas wollen die Steckborner kaum erleben.» «Das sind heikle Aussagen», sagt der Stadtpräsident. «Wir unterstellen damit den Leuten vom Seerücken, sie seien kriminell. Wir brauchen etwas Griffiges.» Die Beraterin gräbt in ihrer Tasche herum. «Dann sehe ich nur noch eine Möglichkeit. Wir erzählen, dass Mammern schon wieder ein Musical aufführen will. Dann erschrecken die Leute und bleiben hier.»

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