Vom Heisssporn zum Nationalrat

David Zuberbühler landete den Überraschungscoup. Der 36jährige SVP-Kantonsrat überflügelte den FDP-Kandidaten und besetzt künftig den einzigen Ausserrhoder Nationalratssitz. In der Sek klebte er EWR-Nein-Kleber auf sein Etui.

Patrik Kobler
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Worauf schwor CVP-Präsident Patrick Dürr am Sonntagabend den FDP-Fraktionschef Reini Rüesch wohl ein? (Bild: Michel Canonica)

Worauf schwor CVP-Präsident Patrick Dürr am Sonntagabend den FDP-Fraktionschef Reini Rüesch wohl ein? (Bild: Michel Canonica)

HERISAU. Die SVP jagt der FDP den Nationalratssitz ab: Nebst den SVP-Anhängern hätten nicht viele darauf gewettet, dass David Zuberbühler dies gelingen würde. Als Favorit wurde der FDP-Kandidat Markus Bänziger aus Teufen gehandelt, auf verlorenem Posten sah man SP-Mann Jens Weber aus Trogen, David Zuberbühler blieb der unberechenbare Kandidat. Denn «dä Zubi», wie er sich im Wahlkampf verkaufte, ist mit 36 Jahren noch jung. Seinen Vater kannte man im ganzen Kanton als Schuhverkäufer auf Märkten. Nach einer Banklehre und einigen Jahren Berufspraxis ist David Zuberbühler zusammen mit dem Bruder in den väterlichen Betrieb eingestiegen. Das Unternehmen bietet heute 34 Arbeitsplätze an drei Standorten.

Wiedersehen mit Reimann

Auch wenn David Zuberbühler erst 36 Jahre alt ist, so verfügt er doch über viel politische Erfahrung. Die EWR-Abstimmung 1992 hat sein politisches Interesse geweckt. Der Sekundarschüler klebte EWR-Nein-Kleber auf sein Etui und war fasziniert von Christoph Blocher. «Schon als 13-Jähriger träumte ich davon, Bundesrat zu werden», erinnert er sich. 1997 engagierte er sich für die Beibehaltung der Landsgemeinde, und 1999 war er dabei, als die Junge SVP SG/AR/AI gegründet wurde. Ein Mitstreiter war damals Lukas Reimann. Die beiden kannten sich vom Eishockey. Statt im Stadion treffen sie nun im Nationalrat aufeinander. 1999 war es auch, als die Herisauerinnen und Herisauer den eben 20jährigen Zuberbühler in den Einwohnerrat wählten: Ein junger Wilder, ein Heisssporn, einer, der sich empören konnte. 2003 erteilte ihm das Gemeindeparlament eine Lektion und wählte ihn als Präsidenten der Finanzkommission ab. Im Einwohnerrat kreuzte er oft mit Paul Signer die Klingen. Der heutige Ausserrhoder Regierungsrat war damals Gemeindepräsident von Herisau und zuvor Zuberbühlers Berufsschullehrer.

Mittlerweile tritt das einstige «Enfant terrible» gemässigter auf. Aber seine Meinung sagt er immer noch «fadegrad». Nach zwölf Jahren im Einwohnerrat wechselte er 2011 in den Kantonsrat. In der Spitalverbund-Affäre trug seine Hartnäckigkeit zu Rücktritten und Rückzahlungen von Verwaltungsräten bei.

Nicht auf Kurs der Zürcher SVP

David Zuberbühler hat lange gezweifelt, ob er für den Nationalrat kandidieren soll. Denn er war sich nicht sicher, ob er seine drei Leidenschaften Familie, Beruf und Politik unter einen Hut bringen kann. Seine Angehörigen haben ihn bestärkt. Und nun landete der Vater zweier Buben den Überraschungscoup. Fassen kann er es immer noch kaum. Seit das Resultat verkündet wurde, blieb ihm wenig Zeit zum Verschnaufen. Pausenlos ereilen ihn Gratulationen und Medienanfragen. Zuberbühler will auch in Bern der «gemässigten Appenzeller Linie» treu bleiben und nicht auf den «knallharten Züri-Kurs» einschwenken.