Vom Feriendorf ins Hotel

Der Reiseveranstalter Reka interessiert sich sehr für den Bau eines Feriendorfs am Bodensee. Für den Tourismus im Thurgau bietet sich eine grosse Chance. Reka-Gäste kehren später zurück und logieren im Hotel.

Thomas Wunderlin
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Ein möglicher Standort für ein Reka-Feriendorf Bodensee befindet sich in Altnau neben dem Campingplatz Panorama; auch Kreuzlingen könnte in Frage kommen. (Bild: Reto Martin)

Ein möglicher Standort für ein Reka-Feriendorf Bodensee befindet sich in Altnau neben dem Campingplatz Panorama; auch Kreuzlingen könnte in Frage kommen. (Bild: Reto Martin)

FRAUENFELD. Der Thurgauer Tourismus steht vor einem Entwicklungssprung. Die Schweizer Reisekasse (Reka) möchte am Bodensee ein neues Feriendorf bauen (Ausgabe von gestern). «Die Familien machen ein, zwei Wochen Ferien», sagt Werner Müller, Leiter der Abteilung öffentlicher Verkehr im Thurgauer Departement für Inneres und Volkswirtschaft. «Sie gehen zum Posten, sie besuchen touristische Sehenswürdigkeiten und fahren mit dem Schiff.»

Werbung für die Region

Ausserdem werden die Reka-Gäste später zu potenziellen Hotelgästen. «Die Leute lernen eine Region schätzen, die für viele noch wenig bekannt ist», sagt Müller. Die geplanten rund 50 Wohnungen würden 50 000 Übernachtungen bringen, was für die lokalen Betriebe einen Umsatz von drei bis fünf Millionen Franken bedeuten würde. Dazu kommen Bauinvestitionen von rund 20 Millionen Franken. Die Reka prüft zurzeit Standorte an Seen in der ganzen Schweiz. «Wir wollen den Sommer stärker puschen», sagt der Reka-Verantwortliche Damian Pfister. Zehn bis zwölf Standorte sollen bis im Sommer evaluiert werden. Darunter befinden sich Altnau und Kreuzlingen, bestätigt Pfister eine Meldung des «Regionaljournals». «Wir haben die Region Bodensee genau angeschaut, die Region bietet ein interessantes Standortpotenzial.» Andere Bodensee-Orte würden keine geprüft. Ende 2014 sollen schweizweit maximal drei Standorte ausgewählt werden, deren Projektierung weitergetrieben wird. Für Altnau und Kreuzlingen spricht die gute Anbindung an den öffentlichen Verkehr. Beide verfügen über Schiffsanlegestellen. «Es ist für den ganzen Kanton eine Riesenchance», sagt der Altnauer Gemeindeammann Beat Pretali. Das Reka-Dorf sei aber noch «sehr weit weg».

Von einer «interessanten Idee» spricht der Kreuzlinger Stadtammann Andreas Netzle. «Wir prüfen sie gerne.» Kreuzlingen habe eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben, an der sich Thurgau Tourismus beteilige. Erst wenn sie positiv ausfalle, werde der Stadtrat entscheiden, ob sich Kreuzlingen offiziell bewerbe.

Die Reka sucht ein 20 000 Quadratmeter grosses Areal. In Altnau geht es um einen Platz unterhalb der Seestrasse, westlich des Dauercampingplatzes Panorama. Es verfügt über Seesicht, der Weg zum Ufer führt allerdings über den Bahnübergang beim Bahnhof. Der Bau einer Fussgängerunterführung unter der Bahnlinie «ist zu prüfen», sagt Müller von der Abteilung Tourismus. In Kreuzlingen liegt der potenzielle Standort zwischen Bahnlinie und Ufer.

Harte Verhandlungen

Bei den Verhandlungen wird genau gerechnet. «Die Reka erwartet von der Standortgemeinde auch einige geldwerte Leistungen», sagt Stadtammann Netzle. «Wir erwarten einen konkreten Beitrag», bestätigt Pfister. Die Gemeinde könne beispielsweise das Land zur Verfügung stellen; sie könne auch Miteigner werden. Er betont, dass die Reka-Genossenschaft eine Non-Profit-Organisation ist; eine direkte Beteiligungsrendite sei nicht das Ziel.

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