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Vom Enfant terrible zur NZZ

Die 38jährige Journalistin Katharina Bracher, aufgewachsen in Ettenhausen, gehört heute zum Redaktionsteam der «NZZ am Sonntag». Auf ihrem Weg hatte sie einige Hindernisse zu überwinden und eckte – speziell in der Schule – oft an.
Kurt Lichtensteiger*
NZZ-Journalistin Katharina Bracher war an der Sekundarschule in Aadorf keine Musterschülerin. (Bild: pd)

NZZ-Journalistin Katharina Bracher war an der Sekundarschule in Aadorf keine Musterschülerin. (Bild: pd)

Frau Bracher, Sie haben etwas erreicht, was wenige schaffen: Sie publizieren in einer der renommiertesten Schweizer Zeitungen.

Katharina Bracher: Vor sechs Jahren bin ich von «20 Minuten online» zum Inland-Team der «NZZ am Sonntag» gestossen. Ich befasse mich überwiegend mit Gesellschaftspolitik, aber auch mit Bildung, Medizin und Entwicklungspolitik. Ich bin Generalistin, was meinem Naturell entspricht.

Kommen wir zu Ihrer Schulzeit: Einem Lehrer pflegen Schüler in Erinnerung zu bleiben, die sich entweder durch Fleiss, Folgsamkeit und Anpassung auszeichnen oder dann im Gegenteil als Störenfriede, Widerspenstige oder gar Verweigerer auffallen. Sie gehörten wohl zur zweiten Kategorie?

Bracher: Ja, schon. Ich glaube, die Lehrer waren überfordert mit meinem rebellischen Wesen. Es ist doch die Aufgabe der Jugendlichen, aufmüpfig zu sein, sich aufzulehnen und nicht alles gut zu finden, was die sogenannten Autoritätspersonen sagen. Für Andersartigkeit war eben nicht viel Platz an dieser Schule.

Wie hätten sich die Lehrer Ihnen gegenüber besser verhalten sollen, um Sie zu disziplinieren?

Bracher: Disziplinieren hätte ich mich sowieso nicht lassen, und Strenge hätte nicht viel genützt, denn auf einem falschen Weg fühlte ich mich nicht.

Gibt es Episoden aus der Schulzeit, an die Sie sich noch erinnern?

Bracher: Einmal hatten wir die Aufgabe in einem Aufsatz, Vorschläge über die Freizeitmöglichkeiten in Aadorf zu machen. Mein Aufsatz war dann so gut – vielleicht auch so kritisch –, dass ich gefragt wurde, den Aufsatz in der «Regionalzeitung Hinterthurgau» zu publizieren.

Und dann?

Bracher: Ich war einverstanden. Doch das löste einen wahren Shitstorm aus, weil der als Satire abgefasste Text die Kleingeistigkeit, das Konservative und Hinterwäldlerische des Hinterthurgaus anprangerte. Ich kam darin zum Schluss, dass den Jugendlichen mangels Alternativen nur das Herumhängen bei der Migros bleibe. Das war politischer Zündstoff, denn damals wurde der Zusammenschluss der Gemeinden zur Munizipalgemeinde diskutiert. Ein Leserbriefschreiber riet mir, ich solle doch in meinem Ettenhausen bleiben und Aadorf inskünftig meiden.

Nun, Sie haben die Zeit überstanden, ohne traumatisiert worden zu sein. Wie ging es weiter?

Bracher: Nein, traumatisiert worden bin ich nicht. Ich absolvierte zwar eine «Ehrenrunde» in der Realschule. Nach der 3. Sek machte ich dann aber eine vierjährige Lehre in der Drogerie in Elgg als Drogistin. Das hat mich geerdet und sozialisiert. Ich habe dort, neben der Fähigkeit hart zu arbeiten, auch Sozialkompetenz gelernt. Mit schwierigen Menschen umzugehen, war das Wichtigste, das ich mitbekommen habe. Ganz zu schweigen von meinem heute veralteten Wissen über Heilkräuter und Kopfschmerztabletten.

Aber dann sind Sie doch nicht im erlernten Beruf geblieben?

Bracher: Das nicht. Journalistin steckte in meinem Hinterkopf. In der Berufsschule habe ich mich eher gelangweilt. Mein Wissensdurst wurde immer grösser. Und da war ja auch mein Traum, den ich kaum auszusprechen wagte: Ich wollte Autorin oder Journalistin werden. Wie man das wird, wusste ich jedoch nicht genau. So beschloss ich, die Matura nachzuholen. Während der dreieinhalbjährigen Ausbildung arbeitete ich als Sachberaterin zu 80 Prozent, nachdem ich für ein halbes Jahr in den USA Englisch gelernt hatte. Die Zweitweg-Matura war eine wichtige Station in meinem Leben. Ich habe dort Kontakte fürs Leben geknüpft, Selbstdisziplin und Durchhaltewillen entwickelt. Als ich den Immatrikulationsschein für die Universität Zürich in der Hand hatte, war ich glücklich, endlich studieren zu dürfen. Das Studium in Publizistik, Politologie und Geschichte an der Universität ergänzte ich mit einem Semester an der Uni Hamburg, wo ich nebenbei für lokale Radio- und Fernsehsender gearbeitet habe. Ich habe aber erkannt, dass mein schriftlicher Ausdruck besser ist als mein mündlicher. Mit Bild und Ton Geschichten zu erzählen, halte ich für richtig hohe Schule.

Haben Sie während Ihres Studiums bereits als Journalistin gearbeitet?

Bracher: Verdienen während des Studiums wollte ich weiterhin, so mit Beiträgen für den «Zürcher Oberländer», später als Redaktorin in der Nachtschicht beim Schweizer Fernsehen. Zuletzt arbeitete ich als Teilzeit-Reporterin bei «20 Minuten online» bis zum Studienabschluss. Danach erhielt ich einen Anruf vom Inland-Chef der «NZZ am Sonntag». Ich konnte mein Glück kaum fassen.

*Der Interviewer Kurt Lichtensteiger war einst Sekundarlehrer von Katharina Bracher.

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