Volksinitiative gegen Wohnblocks

Die Steckborner Interessengruppe Scheitingen hat gestern Stadtpräsident Roger Forrer 100 Unterschriften überreicht. Sie will eine Lücke im Baureglement schliessen und damit mehrstöckige Wohnblöcke verhindern.

Gudrun Enders
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Gestern kam das Initiativkomitee zum Gemeindehaus Steckborn. Stadtpräsident Roger Forrer hält den Karton voller Unterschriftenbögen. (Bild: Andrea Stalder)

Gestern kam das Initiativkomitee zum Gemeindehaus Steckborn. Stadtpräsident Roger Forrer hält den Karton voller Unterschriftenbögen. (Bild: Andrea Stalder)

STECKBORN. Das Volksbegehren ist lanciert. Mit ihrer Initiative wollen die Scheitinger eine Lücke im Steckborner Baureglement schliessen und eine Zone für Ein- und Doppeleinfamilienhäuser einführen. Als erstes Gebiet soll die Scheitingerwiese der neuen Zone zugewiesen werden.

Die Interessengruppe (IG) Scheitingen hat gestern die erforderlichen 100 Unterschriften an den Steckborner Stadtpräsidenten Roger Forrer weitergereicht. Nun läuft die Uhr. In spätestens sechs Monaten muss der Stadtrat zum Volksbegehren Stellung genommen haben. Danach bleiben noch drei Monate Zeit für die Abstimmung über Zonenplanänderung und Ergänzung des Baureglements. Ob das an der Urne geschehen muss oder ob das an der Gemeindeversammlung abgestimmt werden kann, will Stadtpräsident Forrer noch abklären.

Neue Zone ohne Blocks

Die IG Scheitingen nutzte den Termin im Stadthaus, um ihr Anliegen zu formulieren. Sie habe bei den Landbesitzern der Scheitingerwiese nachgefragt und erfahren, dass dort weiterhin Wohnblöcke geplant seien. Bis jetzt stehen in dem Quartier Ein- und Doppeleinfamilienhäuser.

«Eine Überbauung der Scheitingerwiese mit massigen Bauten ist nur deshalb ein Thema, weil das Steckborner Baureglement eine Lücke aufweist», argumentiert die IG. Sie will diese Lücke mit ihrer Volksinitiative schliessen. Neu soll neben der Wohnzone mit drittem Geschoss im Dach (W2) eine Wohnzone Ein- und Zweifamilienhäuser (W2E) entstehen. Als erstes Gebiet soll die Scheitingerwiese der neuen Zone zugewiesen werden.

Zusätzlich für Ein- und Zweifamilienhäuser ausgewiesene Wohnzonen gebe es in so manchem Thurgauer Baureglement, sagt Matthias Gredig, Leiter Ortsplanung im Thurgauer Amt für Raumentwicklung. Ihm seien solche Fälle vor allem entlang des Seeufers bekannt.

Keine grosse Aktion notwendig

Am 18. April begann die IG, Unterschriften zu sammeln, was sie offiziell noch bis Mitte Juli tun könnte. «Die 100 notwendigen Unterschriften kamen jedoch – ohne grosse Sammelaktionen, öffentliche Bekanntmachungen oder Inserate – innert kürzester Zeit zusammen», sagen die Verantwortlichen. Die Unterzeichnenden der Initiative sind der Auffassung, dass die geplanten Wohnblöcke sich nicht einordnen und das Orts- und Landschaftsbild negativ beeinträchtigen. Nicht allein das Steckborner Ortsbild ist von nationaler Bedeutung, sondern auch die Landschaft, in der Steckborn liegt. «Mit der Annahme der Initiative wird für eine Überbauung der Scheitingerwiese der rechtliche Rahmen geschaffen», schreibt die IG. «Die Gefahr aber, dass wuchtige Bauten erstellt werden, wird ausgeschlossen.» Die IG zeigt mit ihrer Initiative, dass sie nicht prinzipiell gegen eine Bebauung dort ist.

Die Planungen für die Scheitingerwiese haben eine längere Vorgeschichte: Eine Erbengemeinschaft will dort sieben Wohnblöcke bauen. Bei der ersten Auflage des Gestaltungsplans 2012 hagelte es 34 Einsprachen. Denn da hatten die Steckborner schon einen Vorgeschmack erhalten, wie das aussehen wird – auf dem Areal gegenüber waren schon vier Blöcke entstanden. Besorgte Bürger gründeten die IG und wehrten sich mit einer Petition gegen die geplante Überbauung. 371 Steckborner unterschrieben. Ein halbes Jahr später rekurrieren sie erneut gegen einen überarbeiteten Gestaltungsplan, der schliesslich vom Kanton zurückgewiesen wurde.

www.scheitingen.ch

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