Volksernährung

In der TZ von 1917

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Thurgauer, Thurgauerinnen! Ans Schweizerhaus klopft mit jedem Tag eindringlicher die Not. Unsere Lebensmittel sind in besorgniserregender Weise knapp. Angesichts dieser Sachlage, die von Monat zu Monat bedenklicher wird, ist es umso unverständlicher, dass wir immer noch Tag um Tag Zeugen einer grossen Nahrungsmittelvergeudung sein müssen. Als wäre unser Land die reichste Kornkammer der Erde, so werden durch das Alkoholgewerbe, vorab die Bierbrauerei, unsere wichtigsten Nährstoffe in unverantwortlicher Weise vernichtet. 2100000 hl Bier sind im Kriegsjahr 1915 in der Schweiz hergestellt worden.

Im übrigen Alkoholgewerbe dieselbe Nährstoffverschwendung! Waggonweise wird der Zucker den Likörfabrikanten zur Verfügung gestellt. Zum Einmachen des Obstes aber ist Zucker unerhältlich.

Thurgauer und Thurgauerinnen! Ihr werdet in den nächsten Tagen Gelegenheit haben, unserem Begehren, welches wir dem Bundesrate in einer Petition zur Kenntnis bringen wollen, euch anzuschliessen.

Unterzeichnet also, Männer wie Frauen, unseren Unterschriftenbogen. Von euch, von eurem Federzug hängt es ab, ob die wichtigen Lebensmittel der Volksernährung dienen oder der Vernichtung preisgegeben werden sollen. Thurgauer Volk! Zeige deinen gesunden Sinn! Wir bauen auf deine vaterländische Denkart.

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