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Virus beschäftigt die Kinderklinik

MÜNSTERLINGEN. Ungewohnt früh häufen sich im Kinderspital Münsterlingen die Fälle eingelieferter Säuglinge, die sich mit dem RS-Virus ansteckten. Die Infektion kann die Atemwege der Kleinkinder verstopfen. Die Situation dürfte sich laufend zuspitzen.
Silvan Meile
Chefarzt Christoph Stüssi und Anja Lehnhardt, Stationsleiterin der Kinderklinik, demonstrieren ihre Arbeit an einer Puppe. (Bilder: Nana do Carmo)

Chefarzt Christoph Stüssi und Anja Lehnhardt, Stationsleiterin der Kinderklinik, demonstrieren ihre Arbeit an einer Puppe. (Bilder: Nana do Carmo)

Das Kinderspital in Münsterlingen bereitet sich auf eine starke Epidemie vor. Bereits vor Neujahr sind im einzigen Thurgauer Kinderspital zehn Kleinkinder mit dem ansteckenden RS-Virus eingewiesen worden. Die Zeit der meisten Ansteckungen steht erfahrungsgemäss aber in den kommenden Wochen erst noch bevor. «Eine so frühe Anhäufung solcher Fälle hat es bei uns noch nie gegeben», sagt Christoph Stüssi, Chefarzt an der Kinderklinik. Er erwartet, dass rund 50 weitere Säuglinge, die sich mit dem RS-Virus ansteckten, eingeliefert werden könnten. Und das ist nur die Spitze des Eisbergs. In die Kinderklinik gelangen nur die schwersten Krankheitsfälle. Das sind meistens Säuglinge, die mit Atemnot zu kämpfen haben.

Grosses Problem für Kleinste

Auch Erwachsene stecken sich mit dem Virus an. Doch sie erleben die Ansteckung wie eine Erkältung und sind nur von leichten Krankheitssymptomen wie laufende Nase und Husten betroffen. Für Kleinkinder ist die Gefahr viel grösser. Die Symptome wie Schnupfen, starker Husten und häufig auch Fieber sowie Bronchien-Entzündungen zeigen sich viel heftiger. «Die meisten unserer Fälle sind Kinder im Alter zwischen einer Woche und einem Jahr», erklärt Stüssi. «In den Atemwegen bildet sich viel Sekret. Das kann die Kleinkinder in der Atmung stark beeinträchtigen», sagt der Chefarzt: «In diesem jungen Alter muss die Nase zum Atmen frei sein, weil die verhältnismässig grosse Zunge der Kinder die Atmung über den Mund erschwert.»

Im schlimmsten Fall kann eine durch das RS-Virus hervorgerufene Atemweg-Infektion zu Erstickung führen. In seinen 13 Jahren am Thurgauer Kinderspital sei dieser schlimmste Fall nie eingetroffen, erklärt Stüssi. Manchmal mussten aber die jungen Patienten schon künstlich beatmet werden, weil Schleim die Atemwege komplett verstopfte und die Säuglinge nicht damit fertig wurden.

Bei den Behörden kein Thema

Zwischen drei bis zehn Tagen müssen die betroffenen Kleinkinder im Spital bleiben. «Ihr Puls und die Atmung werden rund um die Uhr überwacht», sagt Stüssi. Ein kleiner Katheter befreit sie durchs Nasenloch vom Sekret. Eine Kochsalzlösung spült die Atemwege. «Beim RS-Virus handelt es sich um ein Virus, nicht um ein Bakterium», betont Stüssi und merkt an, dass somit auch kein Antibiotikum zum Einsatz komme – und auch nicht Cortison oder Ventolin, beides nütze nichts.

Für ein Elternteil der betroffenen Kinder steht jederzeit auch ein Bett im Zimmer ihres Kindes bereit. Je älter die Kinder seien, desto grösser sei die Chance, dass sie sich zu Hause vom Virus erholen können.

Beim kantonsärztlichen Dienst ist das RS-Virus derzeit kein Thema. «Wir haben nichts Auffälliges gehört», sagt Agnes Burkhalter, stellvertretende Kantonsärztin, «auch nicht vom Bundesamt für Gesundheit.»

«Wir können das bewältigen»

«Ich habe gestaunt, dass wir bereits zehn Fälle mit dem RS-Virus haben, obwohl noch gar nicht Saison dafür ist», erzählt Chefarzt Stüssi. Erst Ende Januar dürfte die Spitze der Epidemie erreicht sein, die jedes zweite Jahr verstärkt auftritt. Ein solches ist aktuell.

Auch wenn Chefarzt Christoph Stüssi in den nächsten Wochen mit einer Häufung von angesteckten Kleinkindern rechnen muss, bleibt er ruhig: «Wir können das Problem bewältigen», sagt er: «Was wir brauchen, haben wir vorrätig, auch Betten und genug Personal.»

Christoph Stüssi Chefarzt der Kinderklinik am Kantonsspital Münsterlingen (Bild: NANA DO CARMO)

Christoph Stüssi Chefarzt der Kinderklinik am Kantonsspital Münsterlingen (Bild: NANA DO CARMO)

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