Vinciguerra wartet auf Rückkehr

Nach fast drei Jahren Geiselhaft auf den Philippinen ist dem Ostschweizer Lorenzo Vinciguerra die Flucht aus den Fängen der Terrorgruppe Abu Sayyaf gelungen. Er soll noch vor Weihnachten in die Schweiz zurückkehren können.

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Lorenzo Vinciguerra wird von Botschafter Ivo Sieber begrüsst. (Bild: ap/Armed Forces of the Philippines)

Lorenzo Vinciguerra wird von Botschafter Ivo Sieber begrüsst. (Bild: ap/Armed Forces of the Philippines)

BERN/MANILA. Lorenzo Vinciguerra ist frei. Der Tierpräparator aus dem st. gallischen Grub konnte sich aus der Gewalt seiner Entführer befreien. Bei der dramatischen Aktion entriss der 49-Jährige einem seiner Bewacher dessen Machete und tötete ihn. Eine philippinische Militärpatrouille fand Vinciguerra wenig später und brachte ihn in Sicherheit. Die Fluchtmöglichkeit ergab sich durch eine Offensive des Militärs auf der Insel Jolo im Süden des Landes.

Telefonat mit Burkhalter

Bundesrat Didier Burkhalter konnte bereits mit Vinciguerra telefonieren, teilte das Eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) am Samstag mit. Der Gesundheitszustand von Vinciguerra sei «den Umständen entsprechend gut», hatte das EDA mitgeteilt. Er wurde zunächst in einem Spital in Jolo City versorgt.

Therapie unabdingbar

Wie die Ostschweiz am Sonntag berichtete, ist es Vinciguerras Wunsch, Weihnachten zu Hause zu feiern. Anzunehmen ist, dass der Ostschweizer in den kommenden Tagen von der philippinischen Armee sowie von den Nachrichtendiensten des Landes zu den Vorkommnissen der vergangenen zweieinhalb Jahre befragt wird. Gemäss EDA ist die Ausreise von Vinciguerra aber noch vor Weihnachten geplant. Eine therapeutische Begleitung sei unabdingbar, sagte Franz Holderegger, Leiter Notfallpsychologie der Stiftung Krisenintervention Schweiz, gegenüber der Ostschweiz am Sonntag. «Jemand, der lange Zeit gewaltsam festgehalten wurde, war permanent unter Stress, weil er ständig um sein Leben fürchten musste.» Der zusammen mit Vinciguerra entführte niederländische Ornithologe Ewold Horn war ebenfalls in dem Versteck auf der Insel Jolo rund 1000 Kilometer südlich der Hauptstadt Manila, berichtete das Militär. Er sei zu schwach gewesen für eine Flucht, teilte die Armeeführung mit. Die beiden Männer waren im Februar 2012 mit einem einheimischen Führer in die abgelegene Provinz Tawi-Tawi gereist, um seltene Vögel zu fotografieren. Das EDA rät seit Jahren von Reisen in dieses Gebiet ab.

Task Force mit Kanton und Bund

Vinciguerra und seine Begleiter wurden in der Provinz entführt und später den Abu-Sayyaf-Rebellen übergeben. Der Einheimische konnte entkommen. Unmittelbar nach Bekanntwerden der Entführung war in der Schweiz eine Task Force gebildet worden. Neben dem EDA waren das Bundesamt für Polizei, der Nachrichtendienst, die Bundesanwaltschaft und die Kantonspolizei St. Gallen darin vertreten. (ar/sda/dpa)