Vincenz ist gegen Zentralisierung

Vor versammelter Kundschaft referiert der Vorsitzende der Raiffeisen Schweiz, Pierin Vincenz, in der Mehrzweckhalle Wängi. Er spricht über die Strategie, mit der sich die Raiffeisen im anspruchsvollen Marktumfeld Schweiz beweisen will.

Lukas Gerzner
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Der Banker in der Turnhalle: Raiffeisen-Chef Pierin Vincenz spricht in Wängi vor grossem Publikum. (Bild: Lukas Gerzner)

Der Banker in der Turnhalle: Raiffeisen-Chef Pierin Vincenz spricht in Wängi vor grossem Publikum. (Bild: Lukas Gerzner)

WÄNGI. Die Verantwortlichen der Raiffeisen Wängi-Matzingen staunten nicht schlecht über die vielen Zuhörer, die am Donnerstagabend einen guten Teil der Mehrzweckhalle in Wängi gefüllt hatten. Der Grund war das Referat von Pierin Vincenz, Vorsitzender der Geschäftsleitung der Raiffeisen Schweiz. Der Manager wurde extra zu diesem speziellen Kundenanlass eingeladen.

Vincenz referierte über die Erfolgsfaktoren der Raiffeisen in einem anspruchsvollen Umfeld wie der Schweiz.

Genossenschaft als Stärke

Der Banker zeigte das Anliegen der Raiffeisen auf, dem Kunden Sympathie und Kompetenz gleichzeitig zu vermitteln. «Kleine Unternehmen erscheinen oft sympathischer als grosse Konzerne», meinte Vincenz. Kompetenz erwarte man jedoch eher bei grossen Unternehmen, während kleinere Betriebe oft für nicht gleich kompetent gehalten würden. Für beide Eigenschaften zu stehen, sei die Stärke der Raiffeisenbank – auch dank der Unternehmensform als Genossenschaft. An dieser Form wollte man immer und wird man festhalten. «Auch wenn der Begriff <Genossenschaft> in Zeiten der Sowjetunion nicht gerade sexy war», scherzte Vincenz. Doch die Raiffeisen sehe dies bis heute als Faktor für Stabilität, Qualität und Sicherheit.

Auch das Thema Bankgeheimnis hat Vincenz aufgegriffen. Im Zusammenhang mit den laufenden Entwicklungen in der Bankenpolitik setze die Raiffeisen auf eine Nulltoleranz mit Schwarzgeldern.

Die Schweiz durchdringen

«Das Vertrauen des Kunden will die Bank mit Geschäftsmodellen gewinnen, die robust sind», sagte Pierin Vincenz. Der Schwerpunkt seines Referats lag auf der Strategie der Kundennähe, welche die Raiffeisen pflege. Mit 1063 Standorten durchdringe die Bank alle Regionen der Schweiz. «Zudem entgegnet die Raiffeisen mit der Entscheidungskompetenz vor Ort einem Trend der Konzerne, alles zu zentralisieren», sagte der Raiffeisen-Boss. Auch die Einbindung des Kunden als Genossenschafter in die Generalversammlung schaffe Vertrauen. Doch die Demokratisierung habe auch Grenzen: «In einer Familie stimmt man am Morgen auch nicht darüber ab, wer heute der Vater ist», scherzt Vincenz. «Doch unsere Entscheidungen basieren nicht nur auf Rendite, sondern auf dem Wertesystem der Raiffeisenbank.»

Nach dem Vortrag folgte eine angeregte Fragerunde. Vincenz beantwortete Fragen zu Kapitaldeckung, Staatsgarantie und Hypothekarwesen. Zum Schluss offerierte die Raiffeisen Wängi-Matzingen einen Apéro, an dem intensiv über das Gesprochene diskutiert wurde.