Vier gehen zurück zur Kunst

FRAUENFELD. Bevor Christian Wüthrich kommenden September das Künstleratelier in Genua nutzt, bestreitet er die nächste Ausstellung in der Stadtgalerie Baliere – aber nicht allein. Er hat drei Freunde dazu bewegt, wieder Kunst zu machen für «Coming Home».

Dieter Langhart
Drucken
Teilen
Richten ihre Ausstellung in der Stadtgalerie Baliere ein: Tobias Weggenmann, Philipp Drewes, Cyrill Weber, Christian Wüthrich (v. l.). (Bild: Dieter Langhart)

Richten ihre Ausstellung in der Stadtgalerie Baliere ein: Tobias Weggenmann, Philipp Drewes, Cyrill Weber, Christian Wüthrich (v. l.). (Bild: Dieter Langhart)

Stadtgalerie Baliere, Samstagnachmittag. Kuratorin Milena Oehy schliesst auf, einige von Christian Wüthrichs Acrylbildern stehen im Eingangsraum bereit. Gleich trifft der Künstler ein, dann seine drei Freunde, dann füllt sich der Raum mit Bildern und Silberwaren, dann schwärmen die vier aus, die Räume zu erkunden und zu entscheiden, wer was wo hängt und stellt. Stets eine anspruchsvolle Aufgabe in diesem würdevollen alten Haus, das nicht leicht mit Kunst zu bespielen ist (und das Wüthrich nicht allein füllen wollte). Die vier grinsen und sagen: «Das wird ein langer Abend.»

«Farbe tut gut im Winter»

1980: Christian Wüthrich, Tobias Weggenmann und Philipp Drewes haben denselben Jahrgang. Die Kunst, die sie machen, wirkt einiges jünger auf den ersten Blick, die Nähe zur Street Art ist unverkennbar. Wüthrichs zumeist abstrakte Bilder in Acryl und Mischtechnik haben etwas Organisches, Fliessendes, sehr Räumliches an sich, die Farben stossen oft gewagt aufeinander. «Farbe tut der Baliere gut im Winter», sagt Milena Oehy. Und sie begrüsst die Spannung, die die jetzt ausgestellte Kunst ins Haus bringt.

Christian Wüthrich aus Gachnang ist ausgebildeter Goldschmied und Bildhauer, kennt sich aus mit Graffiti und Airbrush und arbeitet als Schriften- und Reklamegestalter. Vergangenen Dezember hat ihn die städtische Kulturkommission für das Atelierstipendium in Genua ausgewählt. «Ich will antike Skulpturen studieren und zeichnen und in eigene Werke fliessen lassen», sagt Wüthrich.

Urbane Motive

Tobias Weggenmann aus Ravensburg spielt auf seinen plakativ schlichten Porträts mit dem Kontrast Bewegung und Erstarrung: Die Fliessspuren erinnern an hastig angebrachte Graffiti. Ein Bild wie eine Hommage an die Szene: «Get Shit Done» steht auf dem T-Shirt eines Jungen, der ein Skateboard über der Schulter trägt. Philipp Drewes, Grafiker im nahen Weingarten, malt in Öl: grosse Tableaus aus verwischten, unscharfen Flächen und grellen Lichtakzenten, die wie Blitzlichter auf urbane Szenen wirken.

Ruhige Kunst aus Silber

Der Jüngste in der Runde ist der Basler Cyrill Weber mit Jahrgang 1988. Der Silberschmied aus Basel zeigt klare Formen: Vasen und mit dem Hammer getriebene Schalen, teils in Holz gefasst – ein wunderbarer Kontrast zu der herben bis grellen Malerei.

Aktuelle Nachrichten