Vier Beratungsstellen unter einem Dach

Fachleute aus dem Sozialbereich und der Medizin, freischaffende Anwälte und Vertreter kantonaler Behörden trafen sich in den Räumen der Benefo-Stiftung, um sich besser kennenzulernen.

Brenda Zuckschwerdt
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FRAUENFELD. Opfern nach einer Straftat Hilfe anzubieten – das war das Hauptanliegen der Benefo-Stiftung bei ihrer Gründung 1995. Zwei Jahre vorher war das neue Opferhilfegesetz in Kraft getreten, und die fünf grossen Frauenorganisationen – Frauenzentrale Thurgau, Thurgauer Landfrauenverband, Thurgauische Evangelische Frauenhilfe, Thurgauischer Gemeinnütziger Frauenverein und Thurgauischer Katholischer Frauenbund – wollten Hilfe bieten bei der Umsetzung. «Denn Opfer sein ist nicht nur, aber in grossem Mass ein Frauenthema», sagt Geschäftsleiterin Elisabeth Rietmann.

Steht auch Männern offen

Auf der integrierten Fachstelle Opferhilfe mit einem Leistungsauftrag des Kantons liegt auch heute noch das Hauptaugenmerk der Stiftung. Obwohl von Frauenorganisationen gegründet, steht sie auch Männern offen. 920 Ratsuchende wurden 2010 registriert, knapp ein Drittel von ihnen sind männlich, ebenfalls knapp ein Drittel sind Kinder und Jugendliche. Unter dem Dach der Benefo- Stiftung befinden sich aber noch drei weitere Beratungsstellen: eine für Familienplanung, Schwangerschaft und Sexualität (100 Fälle pro Jahr), eine Budgetberatung (gegen 600 Fälle) und eine Stelle für Rechtsauskünfte.

Hilfe zur Selbsthilfe

Manche Beratungen finden am Telefon statt, die meisten Hilfesuchenden kommen aber zu einem persönlichen Gespräch an die Zürcherstrasse. «Das ist unser Kerngeschäft», sagt Rietmann. Die Sozialarbeiterinnen stellen dabei unzählige Fragen – «häufig klären sich dann schon viele Dinge». Ratschläge geben die Benefo-Mitarbeiterinnen selten, machen auch keine Anzeigen und bieten keine Therapie an. Vielmehr informieren sie über rechtliche und therapeutische Möglichkeiten, bieten Begleitung an und Hilfe zur Selbsthilfe.

Elisabeth Rietmann nennt als Beispiel den Fall einer 17-Jährigen, die vergewaltigt wurde, aber keine Hilfe annehmen will. Ihre Eltern suchten Rat bei der Stiftung. Solange die junge Frau keine Hilfe will, unternimmt die Stiftung nichts. Man bietet ihr aber ein Beratungsgespräch an. Auch wenn das Opfer darauf nicht gleich eingeht – «vielleicht kommt die junge Frau in einem halben Jahr».