«Viele haben einen dicken Hals»

LIPPERSWIL. Tierschützer lassen nicht locker: Sie rufen auf Facebook zu einer Demo gegen das Connyland in Lipperswil auf. Bei der Gemeinde Wäldi ist bereits eine Bewilligungsanfrage eingegangen. Reinhold Zepf vom Thurgauer Tierschutzverband findet den Druck aufs Connyland kontraproduktiv.

Maria Kobler-Wyer
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Wenn im Connyland die neue Saison eröffnet wird, wollen Tierschützer gegen das Delfinarium demonstrieren. (Bild: Archiv/ Donato Caspari)

Wenn im Connyland die neue Saison eröffnet wird, wollen Tierschützer gegen das Delfinarium demonstrieren. (Bild: Archiv/ Donato Caspari)

Pünktlich zur Saisoneröffnung des Connyland in Lipperswil plant Gaby Bühler mit Unterstützung zweier Frauen sowie des Wal- und Delfinschutz-Forums am 1. April eine Demonstration. Auf Facebook rufen sie zur Teilnahme auf. «Auslöser sind der Tod von acht Delfinen in drei Jahren sowie die Haltung der Delfine im Connyland», sagt Gaby Bühler auf Anfrage von Tagblatt Online. «Mit der Demo wollen wir ein klares Zeichen setzen, dass wir damit nicht einverstanden sind».

«Eine Stimme geben»
Die Wolfhäldlerin glaubt, dass momentan viele Leute «einen dicken Hals haben» wegen der Vorfälle im Connyland. «Ein Grossteil der Schweizer will kein Delfinarium», sagt Bühler. Sie selber hat bereits mehrmals Unterschriftensammlungen durchgeführt und Demonstrationen organisiert oder daran teilgenommen. «Ich versuche mich für die Delfine einzusetzen, ihnen eine Stimme zu geben», sagt sie. «Delfine in freier Wildbahn verhalten sich anders, das habe ich mit eigenen Augen gesehen».

Bewilligung in Bearbeitung
Eine Bewilligungsanfrage für die Demonstration ist bereits bei der Gemeinde Wäldi, zu der Lipperswil gehört, eingegangen, wie Gemeindeammann Adrian König gegenüber Tagblatt Online bestätigt. Es dauere aber ein paar Wochen, diese Anfrage zu bearbeiten. «Eine Demonstration ist nichts Alltägliches in einem kleinen Dorf», sagt König. «Wir müssen das mit der Polizei absprechen und auch mit dem Connyland Kontakt aufnehmen». Ob die Betreiber des Connylands bereits kontaktiert wurden, sagt König nicht. «Ich will die Geschichte nicht aufbauschen».

Kein Aufruf
Auf der Facebook-Seite der Organisatoren bilden sich derweil fleissig Fahrgemeinschaften, damit möglichst viele Demonstranten den Weg nach Lipperswil finden. Auch Reinhold Zepf, Präsident des Thurgauischen Tierschutzverbandes, schliesst nicht aus, dass er am 1. April vor dem Connyland anzutreffen ist. Um sich zu informieren. «Ich werde aber sicher keinen Aufruf zur Bekämpfung des Delfinariums machen», sagt Zepf.

Keine Delfine aus Wildfängen
Reinhold Zepf lehnt zwar die Wildtierhaltung in Gefangenschaft ab. «Es gibt ein Gesetz über die Wildtierhaltung», sagt er. «Wenn das Connyland nicht dagegen verstösst, haben wir keine rechtliche Handhabe». Für ihn sei wichtig, dass keine neuen Delfine aus Wildfängen importiert werden. «Conny Gasser hat vor Jahren eine entsprechende Forderung unterzeichnet», so Zepf. Der Brief sei nun beim Veterinäramt hinterlegt.

«Transport wäre ein enormer Stress»
Er habe nichts dagegen, wenn das Delfinarium geschlossen werde. «Aber was passiert dann mit den Delfinen?», fragt sich Zepf. Für Katharina Heyer, Gründerin der Schweizer Stiftung «firmm» (foundation for information and research on marine mammals), wäre die Auffangstation in einer marokkanischen Bucht in der Strasse von Gibraltar die Lösung. Wie Heyer im November gegenüber der «NZZ» sagte, soll die Auffangstation auf ihre Initiative hin noch in diesem Jahr realisiert werden. Die Tiere würden zuerst in einem Meeresbecken Asyl finden, später in eine vom offenen Meer abgetrennte Bucht umgesiedelt werden. Für Reinhold Zepf ist diese Lösung aber nicht ideal: «Der Transport nach Marokko würde für die Delfine einen enormen Stress bedeuten.»

Tierschützern entgegentreten
Dem Wal- und Delfinschutz-Forum (WDSF) ist ein Schriftstück mit einem Mail des Nürnberger Tiergartendirektors Dag Encke zugespielt worden. Darin schreibt er am 24. Januar unter anderem an seine «Kollegen» im Connyland, dass sie sich in der Kommunikation absprechen sollen, um den Tierschützern entgegen zu treten. Er schreibt etwa: «Jeder Kommentar über die Ursache für den Tod der beiden verendeten Delfine muss falsch sein, wenn er nicht von wissenschaftlichen Spezialisten kommt, die mit dem Fall vertraut sind. […] Und mehr noch, wir könnten angeben, dass wir bezweifeln, dass eine Vergiftung mit Antibiotika die wahrscheinliche, plötzliche Todesursache ist.» (maw)