VIELE FÄLLE IN NIEDEREN LAGEN: Gefährlicher Gast

Zecken können eine bakterielle Hirnhautentzündung übertragen. Zwar kann man sich gegen FSME impfen lassen, dennoch hat sich die Zahl einer solchen Erkrankung in den letzten zehn Jahren verdoppelt. Die Kantone St. Gallen und Thurgau melden gesamt 48 Fälle.

Hannah Göldi
Merken
Drucken
Teilen
Suchbild mit Zecke: Dieser Hund trägt ein saugendes Exemplar unter seinem Auge. (Bild: Susann Basler (25. April 2006))

Suchbild mit Zecke: Dieser Hund trägt ein saugendes Exemplar unter seinem Auge. (Bild: Susann Basler (25. April 2006))

Hannah Göldi

hannah.goeldi@tagblatt.ch

Gestern ist es kühl geworden. Doch der Herbst war so schön, wie er es schon seit langem nicht mehr war. Darüber freuten sich etwa auch die Pilzsammler, die noch länger im Unterholz nach Prachtexemplaren suchten – aber auch die Zecken, die sich dort versteckten. Ausser im Unterholz sitzen diese Blutsauger auch gerne auf Büschen oder in Gräsern. Besonders in Wäldern der Risikogebiete ist trotz fallender Tem­peraturen Vorsicht geboten. Die Ostschweiz zählt bekanntlich zu diesen Gebieten (siehe Grafik).

Schweizweit gibt es etwa ­ 20 Zeckenarten, am weitesten verbreitet ist der Gemeine Holz­-bock. Der Holzbock ist der Trä­-ger zweier Krankheitserreger. Der eine heisst Borreliose und kann mit einem Antibiotikum bekämpft werden. Der bedrohlichere namens Früh-Sommer-Meningo-Enzephalitis (FSME) verursacht in manchen Fällen eine bakterielle Hirnhautentzündung. «Schweizweit sind seit Anfang Jahr bereits 213 Personen nach einem Zeckenstich an der Hirnhautentzündung erkrankt», sagt Daniel Koch vom Bundesamt für Gesundheit. Das sind fast doppelt so viele wie noch vor zehn Jahren. Pro Jahr sterben in der Schweiz ein bis zwei Personen an dieser nicht ungefährlichen Infektionskrankheit.

Koch erachtet die Zunahme der Fälle als beunruhigend, Erklärungen dafür gibt es nicht. Klar sei aber, dass sich zu wenige Menschen in der Schweiz gegen die Infektion impfen lassen.

Dem «Sarganserländer» bestätigte das Bundesamt für Gesundheit, dass 29 Personen der 213 Personen zur Zeit ihrer Erkrankung im Kanton St. Gallen wohnten. Im Thurgau weicht die Anzahl Fälle, trotz der beunruhigenden Zahlen schweizweit, nicht auffällig von der erwartbaren Anzahl ab. Das bestätigte Agnes Burkhalter, Stellvertretende Kantonsärztin im Kanton Thurgau. «Seit Anfang des Jah­res wurden 19 Fälle von FSME bei uns gemeldet.»

Auch der Thurgau ist Hochrisikogebiet

Nichtsdestotrotz bleibt ein Teil der Ostschweiz ein Risikogebiet für Zecken und für die Krankheit. Dies zeigt eine Grafik vom Bundes­amt für Statistik. Im ­ St. Galler Rheintal und in den Kantonen Appenzell Innerrhoden und Ausserrhoden jedoch kommt die Infektion nicht allzu häufig vor.

Das Bundesamt für Gesundheit empfiehlt allen Personen, die in Risikogebieten leben, die Impfung. Zum Schutz und zur Prävention von Zeckenbissen hat die Zürcher Hochschule für angewandte Wissenschaften ei­ne App entwickelt, mit der Nutzer das Gebiet, in dem sie gestochen wurden, markieren können. Die Karte zeigt ausserdem die lokale Gefahr per Skala an. Auch Informationen über das Verhalten bei einem Zeckenbiss und über die Biologie gibt es in der App. Mit den üblichen Präventionen, wie geschlossenen Schuhe, lange Hosen und Zeckensprays, sollte ein Spaziergang im Wald jedoch ungefährlich sein.