Viel Regen im Frühjahr

In der TZ von 1917

Drucken
Teilen

Unaufhörlich strömt der Regen hernieder. Auf den Hügeln schneit es, und sie schauen im Wintergewande aufs Tal herunter. In Wiesen und Feldern liegt viel Wasser, und die Bäche und Flüsse schwellen. Wie wird das noch herauskommen, fragt sich mancher besorgt. Nach dem Kalender soll es jetzt Frühling werden, und immer noch fühlt man sich tief in den Winter hineinversetzt.

Letztes Jahr konnten um diese Zeit die Landwirte ihr Vieh auf die Weide treiben. Jetzt herrscht überall empfindlicher Heumangel; die Nachfrage nach Futter wird von Tag zu Tag grösser. Doch um teures Geld kann keines aufgetrieben werden, was begreiflich ist. Die Bauern, die noch übriges Futter besitzen, sind sehr zurückhaltend. Keiner will sein Heu verkaufen, so lange die Witterung nicht besser wird.

Im nahen Toggenburg soll besonders empfindlicher Heumangel herrschen. Sicher bleibt dies nicht ohne empfindliche Folgen; das Milchquantum wird bedeutend zurückgehen.

Dem Gebot der Stunde gehorchend beginnen die Landwirte und Gemeinden mit dem Urbarisieren des verfügbaren Bodens. Es ist eine wahre Freude zu sehen, wie der Riedboden umgebrochen wird, damit Kartoffeln, Hafer und Gerste angepflanzt werden können. Gut, wenn es den Behörden gelingt, genügend Saatgut zu beschaffen. Wie man aber aus landwirtschaftlichen Kreisen vernimmt, sind wenig Saatkartoffeln vorhanden. Da die letzte Kartoffelernte unbefriedigend war, sind die Vorräte so ziemlich aufgebraucht. Diese Tatsache geht auch aus der Kartoffelbestandesaufnahme hervor.

Ein später Frühling ist für unsere Gegend zwar besser; aber nach und nach beginnt die Sache ungemütlich zu werden.