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VERWORRENER FALL: Gericht ordnet neue Methode im Monsterprozess von Kümmertshausen an

Der Monsterprozess um die gewaltsame Tötung eines IV-Rentners kommt in die entscheidende Phase. Zuerst verkündet das Gericht nur die Schuldsprüche. Wie hoch die Strafe ausfällt, wird frühestens Anfang März bekannt.
Ida Sandl
Ein Jurist betritt das Rathaus Kreuzlingen, in dem der Prozess stattfindet. (Bild: Thi My Lien Nguyen)

Ein Jurist betritt das Rathaus Kreuzlingen, in dem der Prozess stattfindet. (Bild: Thi My Lien Nguyen)

Ida Sandl

ida.sandl@thurgauerzeitung.ch

Wer ist schuld am Tod des IV-Rentners? Und: War der sogenannte Kronzeuge nur Gehilfe oder doch Mittäter? Am 22. Januar geht es für die Angeklagten im Prozess Kümmertshausen um alles. Denn dann verkündet das Bezirksgericht Kreuzlingen, wen es für schuldig oder nichtschuldig hält.

Thomas Pleuler, der vorsitzende Richter, wird die Urteile jeweils kurz begründen. Bis zu einem Tag kann das dauern. Nicht nur, weil 14 Männer angeklagt sind, sondern auch wegen der langen Liste von Straftaten, die ihnen vorgeworfen werden. Es wird jedoch an diesem Tag nur über Schuld oder Unschuld gesprochen. Das Strafmass verkündet das Gericht erst einige Wochen später.

Zwischen diesen beiden Terminen kommen nochmals der Staatsanwalt und die Verteidiger zu Wort. Die Anwälte werden das Strafmass für ihre Klienten beantragen und auch die Staatsanwaltschaft reicht ihre Anträge ein. Erst dann legt das Gericht die Höhe der Strafen fest.

Es sollte nicht noch komplizierter werden

Sogar das Ende des umfangreichsten Strafprozesses im Thurgau ist also ungewöhnlich. «Schuldinterlokut» lautet der sperrige Name dieses Vorgehens. Die Zweiteilung habe das Gericht von Anfang an vorgeschlagen, sagt Thomas Pleuler. Weil man das komplexe Verfahren nicht noch komplizieren wollte.

Üblich ist, dass das Gericht in seinem Urteil sowohl den Schuldspruch fällt als auch die Strafe festlegt. Dies nachdem Staatsanwalt und Verteidigung ihre Anträge gestellt haben. Dabei seien die Verteidiger oft in einem Dilemma. Sie beantragen zum Beispiel Freispruch, zusätzlich aber noch eine Strafe, für den Fall, dass das Gericht doch einen Schuldspruch fällt.

«Im verworrenen Fall Kümmertshausen ist es für die Parteien sehr schwer abzuschätzen, wie das Gericht entscheiden wird», sagt Thomas Pleuler. Das mache es sehr schwierig, entsprechende Strafanträge zu stellen.

Der Staat könnte zur Kasse gebeten werden

Der Vorteil des geteilten Vorgehens ist, dass sich Staatsanwaltschaft und Anwälte gezielt zu den Schuld- oder Freisprüchen des Gerichts äussern können. Dadurch dürften die Plädoyers auch knapper ausfallen. Sollte es zu Freisprüchen oder Teilfreisprüchen kommen, wird wohl der Staat zur Kasse gebeten. Denn die vier Männer, die in Zusammenhang mit dem Tötungsdelikt angeklagt sind, haben alle bereits längere Haftstrafen (Untersuchungshaft, Sicherheitshaft oder vorzeitigen Strafvollzug) hinter sich.

Sie sitzen zum Teil noch im Gefängnis. Sollte die Strafe, zu der das Gericht sie verurteilt, kürzer sein als die bereits verbüsste Haft, könnte es teuer werden. Denn sie haben Anspruch auf Entschädigung.

Nach dem Schuldspruch der Richter werden Verteidiger und Staatsanwalt nicht mehr über Schuld oder Unschuld plädieren. Daran gibt es nach dem Entscheid des Gerichts nichts mehr zu rütteln. Es sei denn, das Urteil wird weitergezogen ans Obergericht. Und bei derart vielen Beschuldigten dürfte dies so gut wie sicher sein.

Hinweis

Der Prozess Kümmertshausen wird am 22. Januar um 8.15 Uhr im Rathaus Kreuzlingen fortgesetzt. Besucher müssen sich vorgängig anmelden.

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