Vertreibung aus dem Paradies

Mosttröpfli

Christian Kamm
Drucken
Teilen

Natürlich: Die haben den Rheinfall und den Munot, und wir nicht. Dafür haben wir den Bodensee oder das Schloss Arenenberg. Deshalb sind wir Thurgauer gut beraten, zwar aufmerksam hinzuschauen, wenn der Kanton Schaffhausen heute an einer Medienkonferenz seine touristischen Vorzüge präsentiert, gleichzeitig aber freundnachbarschaftlich gelassen zu bleiben. Wer sich tatsächlich dafür interessiert, der kann ja selber hingehen. Schaffhauserland Tourismus hat nach Schlatt eingeladen. Ins Restaurant Paradies.

Nicht wahr, jetzt staunen Sie! Da sind Sie ganz baff. Ist uns nicht anders ergangen. Waren wir doch bis anhin der Meinung, dass Schlatt, unser Schlatt, zum Thurgau gehört. Wenn also Schaffhauserland Tourismus in der zauberhaften Umgebung des Klosters Paradies aufzeigen will, «wie prädestiniert unsere Region» für die touristische Sommerkampagne «Back to Nature» sein soll, dann müsste eigentlich der Thurgau gemeint sein. Sicher nicht der Rheinfall.

Was mag Schaffhausen dazu bewogen haben, touristisch in den Thurgau einzufallen und sich mit einer seiner schönsten Federn zu schmücken? Vielleicht können die einfach nicht Karte lesen. Oder man muss das als unausgesprochenes Kom­pliment werten: Bei euch ist es eben hübscher als bei uns. Bedenklicher wäre ein politisches Motiv: Weil 2010 der Bezirk Diessenhofen abgeschafft worden ist, machen die Schaffhauser nun womöglich Anstalten, ins politische Vakuum vorzustossen.

Deshalb: Handeln tut not. Nachdem es schon dem Rest der Menschheit so ergangen ist, wäre es nun höchste Zeit, auch die Schaffhauser aus dem Paradies zu vertreiben. Nur wir Thurgauer – wer denn sonst! –, wir dürfen bleiben.

Christian Kamm

christian.kamm@thurgauerzeitung.ch