Verteidiger kritisieren unübersichtliche Akten

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Kümmertshausen Das Bezirksgericht Kreuzlingen hat in der Verhandlungspause die Akten im Fall Kümmertshausen bereinigt. Vor allem wurden die Aussagen des sogenannten Kronzeugen Yilmaz B. entfernt, die er nach Mai 2013 gemacht hat.

Denn ab dann liefen die Gespräche zwischen ihm und der Staatsanwaltschaft über ein separates abgekürztes Verfahren. Dabei einigen sich die beteiligten Parteien im Vorfeld auf ein Strafmass, das Gericht kann dann nur noch zustimmen oder ablehnen. Ab diesem Zeitpunkt seien seine Aussagen nicht mehr objektiv gewesen, so der Vorwurf. Yilmaz B. habe seine Antworten darauf abgestimmt, sich selbst in einem günstigen Licht erscheinen zu lassen. Besonders brisant: Die Anklage stützt sich zu einem erheblichen Teil auf seine Aussagen. Ebenfalls entfernt wurden einige wenige fehlerhafte Befragungen. Trotz der Bereinigung seien die Akten nach wie vor sehr unübersichtlich, kritisierten gestern mehrere Verteidiger im Gespräch mit unserer Zeitung.

Kompliziert werde es vor allem, da jeder der 14 Beschuldigten seinen eigenen Aktensatz habe. Manche Schriftstücke tauchen zwar mehrfach auf, aber zum Teil mit anderen Nummern. Ein einziger Aktensatz für den ganzen Prozess wäre sehr viel überschaubarer, sagen die Anwälte.

Die Urteile im Mammutprozess Kümmertshausen werden erst im März 2018 fallen. Und das dürfte noch nicht der Schluss sein: Ein Weiterzug ans Obergericht wäre alles andere als eine Überraschung. So viel lässt sich schon heute sagen. (san)