Verteidiger erwarten mildere Strafen

FRAUENFELD. Erfreut und erleichtert über den Entscheid des Bundesgerichtes sind die Verteidiger der beiden Täter. Er habe das Urteil des Obergerichts nicht nachvollziehen können, sagt Rechtsanwalt Stefan Wenger, der den Haupttäter verteidigt.

Ida Sandl
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FRAUENFELD. Erfreut und erleichtert über den Entscheid des Bundesgerichtes sind die Verteidiger der beiden Täter. Er habe das Urteil des Obergerichts nicht nachvollziehen können, sagt Rechtsanwalt Stefan Wenger, der den Haupttäter verteidigt. «Schon das Bezirksgericht Kreuzlingen hatte im Vergleich mit ähnlichen Straftaten ein sehr hartes Urteil gefällt.» Das Obergericht hat es verschärft. Zum Strafmass hat sich das Bundesgericht bei Wengers Mandanten nicht geäussert. Nachdem für die Lausanner Richter aber keine versuchte vorsätzliche Tötung vorliegt, müsse sich auch das Strafmass reduzieren, ist Wenger überzeugt. Er wünscht sich eine teilbedingte Strafe für seinen Mandanten. Das hätte den Vorteil, dass sie in Halbgefangenschaft verbüsst werden könnte. Der Mann würde damit die Arbeitsstelle nicht verlieren.

Er wollte ein Zeichen setzen

Der Überfall im Bahnhof in Kreuzlingen passierte vor sechs Jahren. Die Täter schlugen grundlos zwei Gleichaltrige zusammen. Damals war der Haupttäter 20 Jahre alt. Inzwischen sei viel passiert. «Mein Mandant lebt heute in einer anderen Welt.» Er wisse, dass er etwas Schreckliches gemacht habe. «Er hat gerade deshalb die harte Strafe des Bezirksgerichts Kreuzlingen akzeptiert, um ein entsprechendes Zeichen zu setzen.»

Benno Lindegger, der Rechtsanwalt des zweiten Täters, hofft auf eine bedingte Strafe. Im Falle seines Mandanten hat das Bundesgericht die Strafzumessung des Obergerichts kritisiert. Der Mann ist mittlerweile 24 Jahre alt und habe sich sehr positiv entwickelt. «Das ist heute ein völlig neuer Mensch.» Eine bedingte Freiheitsstrafe von 24 Monaten sei immer noch «eine erhebliche Strafe». Wenger ebenso wie Lindegger möchten ihren Mandanten ersparen, dass sie aus dem beruflichen und privaten Umfeld herausgerissen werden.

Neubeurteilungen eher selten

Die Anwälte gehen eher davon aus, dass keine neue Verhandlung vor Obergericht nötig sein wird Das Verfahren könne schriftlich fortgesetzt werden. Nicht zwingend ist aus Sicht der Verteidiger, dass sich nun andere Richter mit dem Fall befassen.

Es kommt nicht oft vor, dass das Thurgauer Obergericht einen Fall neu beurteilen muss. Etwa fünf- bis sechsmal pro Jahr, sagt Giovanni Schramm, der leitende Obergerichtsschreiber. Das Obergericht müsse nun die rechtliche Beurteilung des Bundesgerichts seiner Entscheidung zugrunde legen. Eine neue Verhandlung würde – falls nötig – kaum vor Herbst stattfinden.

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