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Kristina und der Spermafehler

Kristina V. aus Arbon sucht ihre wahren Eltern. Nun steht fest: Ihre Schwester – die ebenfalls durch künstliche Befruchtung gezeugt wurde – und der «Vater» sind auch nicht miteinander verwandt. Der beschuldigte Arzt fühlt sich erpresst.
Donat Beerli
Kristina V. glaubt nach wie vor, dass sie ihre leiblichen Eltern finden wird. (Bild: Thi My Lien Nguyen/PD)

Kristina V. glaubt nach wie vor, dass sie ihre leiblichen Eltern finden wird. (Bild: Thi My Lien Nguyen/PD)

Das Drama um Kristina V. geht weiter. Vor 25 Jahren im Reagenzglas gezeugt, wächst sie in einer Familie auf, die nicht ihre eigene ist. Das erfährt die Arbonerin 2014 durch einen DNA-Test. Der Arzt soll bei der Befruchtung im Labor die Petrischalen vertauscht haben, weil er angeblich seine Lesebrille nicht trug.Was im Juli 1990 in der IVF-Klinik Bregenz genau passiert ist, bleibt unklar. Nun hat das Leben von Kristinas Familie eine neue Wendung erhalten: Ihre Schwester, die ein Jahr nach Kristina in der gleichen Klinik gezeugt wurde, soll auch nicht von demjenigen Mann abstammen, den sie ihr Leben lang für ihren Vater hielten. Das hat ein kürzlicher DNA-Test ergeben.

Schwester mit Mutter, aber nicht mit Vater verwandt

Kristina lud gestern ins Hotel Schwärzler in Bregenz, zwei Kilometer von Zechs Befruchtungsklinik entfernt, um den Medien die neue Nachricht mitzuteilen. «Meine Schwester war immer überzeugt, dass Mutter und Vater ihre wahren Eltern sind», sagt sie. Die Schwester war nicht zierlich und blond wie Kristina, sondern dunkelhaarig, gross und hatte eine stattliche Figur – genau wie der Vater. Zudem war die Verwandtschaft von Schwester und Mutter durch einen früheren DNA-Test bestätigt worden. Doch das Resultat des DNA-Tests lässt keine Zweifel offen: Marina, 24, ist zwar mit Mutter Miluska, aber nicht mit dem Vater verwandt. Die befruchtete Eizelle stammt also von der Mutter, das Spermium aber nicht vom Vater. Bei Kristina ist es anders: Ihre DNA ist weder mit derjenigen des Vaters noch der der Mutter identisch. Darüber hat Kristina nun hundertprozentige Gewissheit, seit mit biologischem Gewebe des verstorbenen Vaters ein DNA-Test gemacht wurde. «Ich kann euch nicht mehr in die Augen schauen», habe Mama Miluska zu den beiden gesagt, als das Ergebnis klar war. Sie habe immer gedacht, ein Einzelfall zu sein, sagt Kristina. «Dass in der gleichen Familie nochmals ein Fehler passiert ist, kann doch gar nicht sein.»

Rückblick: Das Ehepaar Miluska und Tomislav wendet sich 1990 an die IVF-Klinik Bregenz, wo der Reproduktionsmediziner Herbert Zech künstliche Befruchtungen durchführt. Er ist bekannt, hat einen guten Ruf. Bereits die erste In-vitro-Fertilisation ist erfolgreich. Kristina kommt im April 1991 zur Welt. Die Eltern sind glücklich, versuchen es gleich noch mal. Wieder klappt’s – Ende September 1992 wird Schwester Marina geboren. Das Glück ist perfekt. Kristina fühlt sich wohl in der Familie, fragt sich aber immer wieder, ob ihre Eltern wirklich ihre Eltern sind. «Ich spürte irgendetwas.» 2009 schauen Mutter und Tochter eine Soap, in der ein junger Mann erfährt, dass Vater und Mutter nicht die leiblichen Eltern sind. Ihre Blutgruppen passen nicht zusammen – so wie bei Kristina. Sie ruft in der Klinik an. Dort sagt man ihr, dass eine Mutation des Erbguts schon mal vorkommen könne. Im September 2014 wird dank eines DNA-Tests klar: Kristina ist weder mit der Mutter noch mit ihrer Schwester blutsverwandt. Im Winter 2015 bietet Zech Kristina Geld. Zuerst 300000 Euro, später 500000, wie Kristina sagt. «Ich habe nie daran gedacht, es anzunehmen.» Im August des vergangenen Jahres wagt sie den Schritt an die Medien. Hofft, damit endlich ihre Eltern zu finden. Ohne Erfolg.

Vom Arzt Schadenersatz verlangt?

Nun der erneute Gang an die Öffentlichkeit. Mehr Medien, mehr Publicity. Vielleicht auch die Hoffnung, dass Herbert Zech einknickt und Unterlagen der betreffenden Jahre herausgibt. Kristina versteht es nicht. «Es sind wahrscheinlich weniger als 100 Paare, die als Eltern in Frage kommen.» Sie und ihre Schwester wollen endlich wissen, wer sie sind.

Herbert Zech stellt die Dinge anders dar. In einem gestrigen Communiqué heisst es, dass er vor wenigen Wochen in einem anwaltlichen Schreiben darüber in Kenntnis gesetzt wurde, dass Kristinas Schwester keine Blutsverwandtschaft mit ihrem Vater aufweise. Mit selbigem Schreiben sei die Aufforderung zu einer Zahlung in Millionenhöhe binnen zehn Tagen verbunden gewesen. Gleichzeitig sei gedroht worden, den Vorfall publik zu machen. «Er fühlt sich erpresst», heisst es weiter. Auf das Angebot werde man daher nicht eingehen.

Wie Kristina gestern bestätigte, ist gegen Zech eine Klage beim Landgericht hängig, Angaben darüber wollte sie keine machen. Zech lässt durch sein Schreiben verlauten, dass er froh über das Gerichtsverfahren sei. «Vorliegende Informationen und ungewöhnliche Vorkommnisse lassen uns den Sachverhalt hinterfragen und machen eine Neubewertung notwendig.» Der Arzt räumt aber ein, dass, falls sich herausstellen sollte, dass bei den Behandlungen in den frühen 90er-Jahren Fehler unterlaufen sind, die zu dieser Verwechslung geführt haben, er «voll und ganz zu seiner Verantwortung» stehe.

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