«Versuchen Sie nicht, den Eltern etwas beizubringen»

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Berg Sibylle Raimann zeigte an der Jahrestagung der Thurgauer Kindergärtnerinnen auf, wie ein Elterngespräch zusammen mit dem Kind aussehen könnte. Im Beisein von 365 Kindergärtnerinnen richtete die Erwachsenenbildnerin und Lehrperson aus Hünenberg den Fokus auf das Eltern-Kind-Gespräch. Dabei beleuchtete sie den Ablauf ihrer Elterngespräche, die mit einer Zeichnung des betreffenden Kindes beginnen können. «Im ersten rund sieben Minuten dauernden Teil führt die Lehrperson mit dem Kind das Gespräch und in einer weiteren Phase mit den Eltern. Während dieser Zeit hört das Kind zu oder spielt. Nach dem halbstündigen Gespräch ziehen die Beteiligten eine Bilanz, und allenfalls gilt es bei besonderen Situationen ein zweites Gespräch ohne das Kind zu vereinbaren. Als hilfreich erachtet Raimann Kompetenzkarten zur Aufarbeitung der persönlichen Lernziele. Mit Blick auf die neuen Lernbegriffe des Lehrplans 21 empfiehlt sie, Kompetenzen über Bilder aufzuzeigen. Als ideale Vorbereitung bezeichnet die Erwachsenenbildnerin auch Rollenspiele für die Kinder vor dem Elterngespräch.

Miteinbezug der Eltern

Unter der Leitung von Thomas Minder, Präsident Verband Schulleiter Thurgau, legten fünf Fachleute im Rahmen eines Podiums ihre Sichtweise dar. «Als Mutter dreier Kinder wünsche ich mir, dass die Kindergärtnerinnen die Eltern mehr einbeziehen und für Kinder, die sich in der Norm entwickeln, sehe sie keine grossen Probleme», sagt Claudia Cadalbert von der Heilpädagogischen Früherziehung Thurgau. Karin Fasseing Heim, Dozentin für Didaktik an der PH Thurgau, wehrt sich gegen das Vorurteil, dass hinsichtlich Elternabende zu wenig gemacht wird an ihrer Hochschule: «Die Studierenden werden in den verschiedensten Modulen auf die Elterngespräche vorbereitet.» Allerdings ist sie sich bewusst darüber, dass die Wirklichkeit während eines dreijährigen Studiums nicht vermittelt werden kann. Für sie sind Elterngespräche ein Gesamtsetting verschiedenster Faktoren.

Verzicht auf Selbstdarstellung

Als heterogen bezeichnet Peter Kruijthof, Dozent für Pädagogik und Psychologie an der PH Thurgau, die Elternschaft und betonte: «Versuchen Sie nicht, den Eltern etwas beizubringen, sondern stellen Sie bei einem solchen Gespräch gemeinsam mit den Eltern die Erziehung und Bildung des Kindes ins Zentrum.» Kruijthof warnt vor einer Selbstdarstellung durch die Kindergärtnerin und nannte das Vertrauen als wichtigstes Ziel. Für Sibylle Raimann gilt die 50-Prozent-Regel: «Die Sprechphase der Kindergärtnerin soll die Hälfte des Gesprächs nicht übersteigen.» In schwierigen Situationen empfiehlt sie den Eltern ein zweites Gespräch ohne das Kind. (len)