Versteckte Lohnerhöhung für Lehrer?

Die St. Galler Regierung hat sich auf einen Kompromiss eingelassen: Alle Lehrer, die mehr als ein halbes Pensum ausüben, sollen entlastet werden. Das geht nicht gratis.

Regula Weik
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Lehrer, die über 50 Prozent unterrichten, sollen entlastet werden. (Bild: Luca Linder)

Lehrer, die über 50 Prozent unterrichten, sollen entlastet werden. (Bild: Luca Linder)

ST. GALLEN. Die Regierung habe dem Druck der Gewerkschaften nachgegeben, ärgert sich die SVP. Die Entlastung der Lehrpersonen im Kanton – neu nun auch der Teilzeitbeschäftigten – bedeute nichts anderes als «eine reale Lohnerhöhung» für die Lehrerinnen und Lehrer – und stehe damit «in krassem Widerspruch» zur Ankündigung der Regierung, die Löhne des Staatspersonals 2013 um 1,5 Prozent zu kürzen.

Reformen notwendig

Was ist der Auslöser für den Ärger der SVP? Die Regierung hat vor einer Woche einen Vorschlag auf den Tisch gelegt, um den seit Monaten ungelösten «Lehrerstreit» zu beenden. Ab nächstem Schuljahr werden alle Lehrerinnen und Lehrer im Kanton, die mindestens ein halbes Pensum ausüben, entlastet. Ursprünglich sollten nur jene mit einem vollem Pensum davon profitieren. Das wöchentliche Unterrichtspensum wird um eine Lektion von 28 auf 27 gesenkt – bei gleichem Lohn (Ausgabe vom 25. August).

Die SVP ist nicht die einzige Partei, welche sich über den Kompromissvorschlag der Regierung ärgert. Auch die Grünliberalen reden von «versteckter Lohnerhöhung» – und gleichzeitig von «einem Feigenblatt der Regierung», die notwendigen Reformen im Bildungsbereich nicht anpacken zu müssen. Das eigentliche Problem der Lehrer sei nicht die Anzahl Unterrichtsstunden, sondern das Übermass an administrativer Belastung.

«Ziel verfehlt»

Auch CVP und FDP hinterfragen die Vorlage – zumal die Regierung stets von einer kostenneutralen Übung gesprochen habe. «Dieses Ziel wurde klar verfehlt», hält die CVP fest. Mehrausgaben zugunsten der Lehrer stünden derzeit ziemlich «quer in der Landschaft».

Die Reduktion der Lehrerpensen kommt die Gemeinden 4,8 Millionen Franken teuer zu stehen. Die Kinder und Jugendlichen haben künftig wohl weniger Schulstunden; ihr «Pensum» wird um acht Lektionen pro Jahr gekürzt. Doch damit kann die Entlastung nicht vollumfänglich kompensiert werden; es sind eben auch zusätzliche Stellen nötig.

Die Regierung müsse da noch einmal «deutlich nachbessern», so die CVP. Die Partei hat einige Ideen, die sie allenfalls der Regierung in Auftrag gibt – so jene, «analog des Staatspersonals auch für Lehrpersonen Jahresarbeitszeiten zu prüfen».

Verkraftbar und vertretbar

Die BDP findet die Vorlage «finanziell verkraftbar». Einen Wermutstropfen gebe es allerdings: Der Kanton St. Gallen gebe mit dem Lektionenabbau für die Schülerinnen und Schüler «einen seiner wenigen Standortvorteile» auf. «Angemessen und realistisch» ist der Kompromissvorschlag der Regierung auch für die EVP. Die SP spricht von einem «zufriedenstellenden» Kompromiss. «Gerade bei den Teilpensen ist die Belastung im Vergleich zu den Vollpensen hoch.» Die zusätzliche finanzielle Belastung der Gemeinden sei «vertretbar».

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