Verschwörung mit Magenbrot

Meine Frau Turmspatz kuschelt sich an meinen Flügel, ich schliesse die Augen. Mitten in der Nacht ein Rumpeln, unser Nest bricht fast zusammen. Ich bücke mich, stutze, denn es sind Betonbrocken in unser Nest gefallen, die süsslich nach Gewürzen riechen.

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Meine Frau Turmspatz kuschelt sich an meinen Flügel, ich schliesse die Augen. Mitten in der Nacht ein Rumpeln, unser Nest bricht fast zusammen. Ich bücke mich, stutze, denn es sind Betonbrocken in unser Nest gefallen, die süsslich nach Gewürzen riechen. Am Sonntagmorgen besuche ich Antonio Casetti. Dunkler Ledersessel, fette Zigarre. «Pfusch!» Ich knalle einen Brocken aus meinem Nest auf seinen Schreibtisch. «Das ist gepanschter Beton.»

«Vorsicht, schräger Vogel, wir wollen doch nicht, dass dir etwas passiert.» Der kalte Blick des Baulöwen jagt mich hinaus. Von der Neugier getrieben schnüffle ich im Lager der Firma Casetti herum. Wieder dieser Geruch. Hastig zum Jahrmarktplatz am See. Ich lasse mich durch die Musik und die Gerüche treiben, vom Chnoblibrot zu den Marroni. Eine Gewürzwolke lockt mich durch den Nebel zu einem düstern Markthäuschen am Wasser. Harrys Magenbrot. «Was willst du?» Der Mann weicht zurück. «Wie wäre es mit der Wahrheit, Harry?» «Wir hatten Probleme bei der Produktion, hundert Liter Teig mussten weg. Casetti nahm mir alles ab und...» Ein leises Plop, kaum zu hören im allgemeinen Lärm. Mit einer Spritze im Arm sackt Harry zusammen. «So sieht man sich wieder.» Casettis dreckiges Lachen. Zwei Bodyguards stellen mich in einen Eimer. «Was soll das?» Langsam giessen sie Betonteig über meine Füsse. Es riecht nach Zimt. «Der falsche Spatz am falschen Ort.» Dann kippen sie mich in den See. Von den Gewichten gezogen tauche ich tief hinunter ins dunkle Wasser. «He du Schlafmütze.» Meine Frau Turmspatz reisst das Fenster auf. «Komm schon, der Jahrmarkt wartet. Ich habe grosse Lust auf Magenbrot.»

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