Verschobene Perspektiven der Natur

FRAUENFELD. Blütenstengel werden in Ursula Maurmanns Ausstellung «Ausgleichsfläche» zu feingliedrigen Skulpturen. Die Schaffhauserin sieht Naturwiesen mit etwas anderen Augen. Morgen abend feiert die Bilderschau in der Eisenbeiz Vernissage.

Mathias Frei
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Ein Ölbild von Ursula Maurmann. (Bilder: pd)

Ein Ölbild von Ursula Maurmann. (Bilder: pd)

Legt sich ein Käfer in einer Wiese auf den Rücken, sieht er das, was Ursula Maurmann sieht. Es ist einem ein völlig fremder Blick. Die Schaffhauser Künstlerin erkennt schlanke Blütenstengel, die in den blauen Himmel ragen und Blätter mit bizarren Mustern vom Läusefrass, die an Sonnenschirme erinnern. Von unten nach oben. Für das menschliche Auge sind es detailversessene Makroaufnahmen von Pflanzen, die sich stets zwischen Schärfe und Unschärfe bewegen. Das gibt den grossformatigen Ölbildern auf Pavatex Tiefe, bisweilen sogar einen dreidimensionalen Charakter.

Pflanzen in ihrem Herbst

«Ausgleichsfläche», der Titel der Ausstellung, orientiert sich an ökologischen Ausgleichsflächen. Das sind Orte, die lange sich selbst überlassen sind, Orte, wo Pflanzen im Herbst auch vergehen und nicht schon im Sommer geschnitten werden. Maurmann, Zeichnungslehrerin an einer Winterthurer Kantonsschule, interessiert sich denn auch mehr für das Vergehen der Pflanzen als für ihre Blütezeit. Dunkle Farben zwischen Braun, Grün und Grau kommen vor dem blauen Himmel als Hintergrund zum Einsatz. «Mich interessiert die Komposition der Bilder», sagt Maurmann. Sie wolle die einzelnen Elemente so zusammenstellen, dass ein spannungsvolles Ganzes entsteht.

Ein anderer Aspekt, der Maurmann wichtig erscheint, ist das malerische Handwerk. Ihre Linien sind präzis, jeder fein behaarte Blütenfaden sitzt. Bei der Malerei liebe sie die Perfektion, sagt Maurmann. «Austoben kann ich mich in der Musik.» Als Monozoo spielt sie irgendwo zwischen Stereo Total, Stahlberger und Bernadette La Hengst. Zu hören sein wird Maurmanns Einfrau-Lo-Fi-Pop am 15. Oktober in der Eisenbeiz.

Hunde als Fingerübungen

Und dann ist da noch Maurmanns Hundeserie. Sechs kleinere Ölbilder sind daraus zu sehen. Die Hunde wirken eigenwillig, leicht ins Menschliche verfremdet. Fingerübungen nennt Maurmann die Hunde und auch die Käfer-Installation auf Kieselstein.

Ausstellung «Ausgleichsfläche» bis 26. November. Vernissage: Donnerstag, 17.September, 18.30 Uhr. Konzert: Monozoo (Ursula Maurmann), Donnerstag, 15. Oktober, 20.15 Uhr. Eisenbeiz im Eisenwerk.

Ursula Maurmann Künstlerin

Ursula Maurmann Künstlerin