Verpasstes Märchen auf der Allmend

Jacques Webster aus Houston, Texas, ist in Frauenfeld Unsägliches widerfahren. Und das an einem schönen, heissen Julitag inmitten von Zehntausenden fröhlichen Jugendlichen. Herr Webster hat einen Schuh verloren. Und zwar den linken, einen exklusiven Turnschuh, gestaltet von einem Berufskollegen Websters.

Stefan Hilzinger
Drucken
Teilen

Jacques Webster aus Houston, Texas, ist in Frauenfeld Unsägliches widerfahren. Und das an einem schönen, heissen Julitag inmitten von Zehntausenden fröhlichen Jugendlichen. Herr Webster hat einen Schuh verloren. Und zwar den linken, einen exklusiven Turnschuh, gestaltet von einem Berufskollegen Websters.

Niemand verliert gern einen Schuh, auch Jacques Webster nicht. Er war erbost, sagte gar, sein Schuh sei ihm geklaut worden. Wortmächtig rief er «Bitch!» und sah sich genötigt, Körperflüssigkeiten abzusondern. Mitten in der Masse von exaltierten Jugendlichen. Schliesslich fand der abhanden- gekommene Schuh den Weg zurück zu seinem Besitzer.

Und so hat Webster, der sich als Minnesänger Travi$ Scott nennt, eine grosse Chance vergeben. Läse er Grimms Märchen, dann wüsste er: Irgendwo in Frauenfeld, Zürich oder Stuttgart würde noch jetzt eine Königstochter verzweifelt nach dem Träger des verschwundenen Schuhs suchen. So bekommt Travi$ auch nichts von der goldenen Kutsche zu sehen, die ihn abgeholt und ewiger Glückseligkeit zugeführt hätte.