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VERNISSAGE: Mit Steueraffäre und Lustmord

Der Historische Verein des Kantons präsentierte in Arbon den 155. Band mit Beiträgen zur Thurgauer Geschichte. Im aktuellen Buch ist der Oberthurgau besonders im Fokus.
Das Publikum im Saurer Museum in Arbon während einem der Refe­rate. (Bild: Fritz Heinze)

Das Publikum im Saurer Museum in Arbon während einem der Refe­rate. (Bild: Fritz Heinze)

«Der Löw-Skandal 1951» heisst die Titelgeschichte von Thomas Wunderlin. Im Band 155 werden Ereignisse aus der jüngeren Zeit präsentiert, so jung, dass die Erinnerungen noch in der heutigen Generation wach sind. Ein Grund dafür, die Veranstaltung in der Oberthurgauer Metropole zu organisieren, wenn auch nicht, wie angekündigt, im Hotel Wunderbar, sondern idealerweise im Saurer Museum. Es war das passende Ambiente am Freitagabend, der Duft der Maschinen liegt in der Luft, die hohe Zeit der örtlichen Industrie ist hier noch präsent.

«Wir haben ein Problem mit der Geschichtsforschung»

In seiner Begrüssung konnte André Salathé, der Präsident des Historischen Vereins, nicht nur eine illustre Gästeschar begrüssen, sondern auch die Veröffentlichung eines Werkes ankündigen, das seit bald zwei Jahrzehnten auf seine Realisierung wartet. Der Löw-Skandal, beginnend in der Schuhfabrik Löw in Oberaach, war letztlich nicht nur ein Steuerskandal, sondern spielte sich auch auf der internationalen politischen Ebene ab – und das in ganz brisanten Bereichen. Für Autor Thomas Wunderlin, Redaktor und Medienbeauftragter des Vereins, begann die Arbeit dafür im Jahr 2000 und wurde zuerst durch fehlenden Platz in einem Jahrbuch und anschliessend durch weitere, sich öffnende interessante Quellen verzögert.

Adrian Oettli widmete sich als Autor unter dem Titel «Ein Innovator von altem Schrot und Korn» dem Schaffen des Arboner Industriellen Heinrich Vogt-Gut. Er tat das auch technisch sehr vertieft, widmete sich den einzelnen Arbeitsgebieten des Porträtierten und regte Präsident André Sala­thé abschliessend zur scherzhaften Bemerkung an: «Wir wollten eigentlich Nachwuchsförderung im Bereich von Historikern betreiben. Nun stelle ich fest, dass wir in diesem Fall einen Techniker oder Physiker gefördert haben.»

Die Förderung der Geschichtsforschung veranlasste den Präsidenten auch zur Bemerkung, dass dieser Sektor vom Kanton zu wenig finanzielle Mittel erhalte. «Der Kanton investiert in diese Thematik nicht all zu viel, wir haben im Kanton Thurgau ein Problem mit der ­Geschichtsforschung», erklärte Salathé.

Der ungeklärte Mord in Sitterdorf

Im Gegensatz zu den Themen mit einem wirtschaftlichen Ansatz widmet sich die Arbeit von Stefan Wehrle dem sogenannten Lustmord an Martha Zingg in Sitterdorf, geschehen am 14. Oktober 1934. Er geht dem Vorgehen der Untersuchungsbehörden nach, die sich einerseits auf das damals geltende thurgauische Strafprozessrecht abstützt und andererseits am kriminalistischen Wissensstand gemessen wird. Den Umstand, dass das Delikt nie aufgeklärt wurde, stellt der Autor in den Mittelpunkt. Mit der Abhandlung über die Anfänge des Elektrizitätswerks des Kantons Thurgau stellte Adrian Knoepfli einen weiteren Bericht zur Verfügung, und Stefan Sigrist widmet sich dem Schaffen des Thurgauer Kaufmanns Friedrich Weber auf den Molukken.

Mit der Übergabe eines Exemplars und dem Dank an alle Beteiligten fand der offizielle Teil der Buchpräsentation sein Ende. In seiner Bilanz zum Buch zeigte sich André Salathé erfreut darüber, dass der Band 155 Geschichten aus dem Oberthurgau präsentiere, aus Arbon und Amriswil, und vor allem Zeitgeschichtliches aus dem 20. Jahrhundert abgehandelt werde. Für ihn ein ganz wichtiger Aspekt.

Fritz Heinze

thurgau@thurgauerzeitung.ch

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