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Verliebtes Paar sichtet Nessie an der Murg

Tierisches Treiben in der Hauptstadt
Nur schemenhaft erkennbar: Ein Biber promeniert des Nachts am Ufer der Murg. (Bild: Sebastian Keller)

Nur schemenhaft erkennbar: Ein Biber promeniert des Nachts am Ufer der Murg. (Bild: Sebastian Keller)

Frauenfeld schläft. Dunkel ist es in dieser Herbstnacht. Neumond. Um 23 Uhr schlendert ein Paar dem Murgufer im Bereich des Lindenparks entlang. Sonst ist niemand unterwegs, keine Autos sind zu hören. Doch am Ufer, im flach getrampelten Gras, bewegt sich eine Kreatur. Langsam, fast wie in Zeitlupe. Eine Katze? Zu bullig. Was könnte es sonst sein?, fragt sich das Paar.

Auf der Suche nach Antworten beobachtet es die tierische Kreatur ein paar Minuten vom Fussweg aus. Sie scheint etwas zu essen oder sich zu reinigen. Mit der Zeit sind sich der Mann und die Frau einig: Es könnte sich um einen Biber handeln. Wieso auch nicht – der Thurgau ist der Biberkanton schlechthin. Mit dem Smartphone fotografieren sie das vermeintliche Nagetier. Im Wissen darum: Biber bekommt man kaum je zu Gesicht. Die geschäftigen Tiere sind nachtaktiv und scheu. Beschwingt durch die seltene Sichtung geht das Paar seinen Weg durch die Nacht.

Die Frage, ob es tatsächlich ein Biber war, beschäftigt das Paar aber weiter. Es sendet die – zugegeben qualitativ fragwürdigen – Bilder an Hannes Geisser. Er ist Direktor des Naturmuseums Thurgau und promovierter Biologe. Er bestätigt die Vermutung des Paars: «In der Tat handelt es sich ziemlich sicher um einen Biber.» Die Körperhaltung sei eindeutig. «Die Kelle meine ich schemenhaft und mit etwas Fantasie auf den Bildern zu erkennen.» Auch die Kopfform sei eindeutig. Der Ort der Sichtung ist ebenfalls nicht abwegig: Ihm Jahr 2015 habe er ebenfalls eine Biber-Beobachtung am selben Ort erhalten.

Die neuerliche Sichtung will der Direktor des Naturmuseums auf der Plattform des neuen Säugetieratlas der Schweiz hochladen. Dort findet eine «Volkszählung bei den Säugetieren» statt. Auf der Webseite heisst es: Zufallsbeobachtungen seien ein wichtiger Beitrag, um die Kenntnisse über die Verbreitung und das Vorkommen einheimischer Säugetiere zu verbessern. Dazu werden Sichtungen von Dachsen, Iltis, Steinmarder, Fischotter und vielen mehr notiert und mit Bildern dokumentiert. Die Bilder erinnern ihn, das sagt Hannes Geisser, ein wenig an Aufnahmen von Nessie, dem Ungeheuer von Loch Ness. In Schottland erscheinen tatsächlich in unregelmässiger Regelmässigkeit– vor allem in der nachrichtenarmen Sommerzeit – Zeitungsartikeln mit angeblichen Nessie-Sichtungen.

In jüngster Zeit häufig mit mangelhaften Smartphonebildern. Diese könnten aber geradeso gut eine Möwe abbilden. Kritische Zeitgenossen sagen diesen wellenartig auftauchenden Existenzbelegen nach, dass damit der Mythos genährt und der Tourismus in der Region Loch Ness angekurbelt werden sollte. Eine nächtlichen Biber-Beobachtung in der Thurgauer Hauptstadt ist aber weniger mythisch. Nach Schätzungen bevölkern rund 500 dieser Nagetiere den Kanton. Das ist auf der Webseite der kantonalen Jagd- und Fischereiverwaltung nachzulesen. Der Biberbestand ist damit der grösste der ganzen Schweiz. Dass sich ein Biber am Frauenfelder Murgufer aufhält, ist also gar nicht so unwahrscheinlich.

Sebastian Keller

sebastian.keller@thurgauerzeitung.ch

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