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Verkokst und ausgerastet: Autofahrer greift Partygänger an

Sonntagsgericht
Thomas Wunderlin

Den Kopf gesenkt, das behaarte Kinn nah am Kreuz auf der Brust, steht der arbeitslose 25-jährige Strassenbauer vor den Richtern im Münchwiler Gerichtsgebäude. Er gibt sich einsilbig, hat wenig zu sagen, ist ja alles klar. Staatsanwalt und Verteidiger haben sich auf ein abgekürztes Verfahren geeinigt. Das Gericht muss nur prüfen, ob die 24 Monate bedingt dem Delikt der versuchten mehrfachen schweren Körperverletzung angemessen sind. Das Gericht ist am Ende damit einverstanden.

Die vorsitzende Richterin hat doch eine Frage an den Strassenbauer: «Weshalb haben Sie einen Baseballschläger dabei gehabt?» Um die Antwort zu verstehen, muss man die Übersetzung aus dem Portugiesischen nicht abwarten: «Ich weiss nicht.»

2,5 Gramm Kokain hatte er geschnupft, dazu einiges getrunken, als er am 28. Juni 2015 nachts um ein Uhr von einer Bar an der Murgstrasse in Wängi wegfuhr, den Baselballschläger im Kofferraum seines Autos. Er kam nicht weit. Auf der Heiterschenstrasse begegnete er sieben Männern in seinem Alter, Schweizer. Was dabei genau geschah, ist unklar. Die Details sind nicht Gegenstand der Verhandlung, da der Sachverhalt unbestritten ist.

Die Männer von der Heiterschenstrasse sind auch dabei an der Verhandlung. Sie lehnen es aber ab, dem Gerichtsreporter in der Pause Auskunft zu geben. Der Verteidiger zeigt sich offener. Die sieben Männer hätten eine Party gefeiert und seien danach auf die Strasse gegangen, auch einen Leiterwagen hätten sie mitgeführt. Sie hätten seinen Mandanten aufgehalten und sein Auto ins Wippen gebracht. «Da ist er ausgerastet.»

Der Portugiese holte den Baseballschläger aus dem Kofferraum, legte ihn dann wieder hinein. Er fuhr zurück zur Bar, stellte sein Auto dort ab und rannte den sieben Männern entgegen, den Baseballschläger wieder in der Hand. Unvermittelt und wahllos schlug er auf die Männer ein. Auf Kopfhöhe habe er ausgeholt, heisst es in der Anklageschrift. Bei seinen Opfern habe er ebenfalls auf Kopfhöhe gezielt. Er habe «mehrere wuchtige, zweihändige Schläge» geführt, mindestens sechs Schläge. Er verletzte fünf Männer. Sie wurden an den Schultern getroffen und an den Armen, die sie hochrissen, um sich zu schützen. Eines der Opfer, ein Polizeiaspirant, wollte den wütenden Schläger stoppen. Ihn traf es am schlimmsten: Treffer am rechten Jochbein und hinter dem linken Ohr. Die Folge war eine Gehirnerschütterung. Dennoch gelang es dem Polizeiaspiranten mit Hilfe eines Kollegen, den Portugiesen zu überwältigen. Den andern Männern gelang es, ihm den Baseballschläger aus der Hand zu reissen. Der Angreifer konnte sich befreien und flüchten. Noch am selben Tag wurde er verhaftet.

Nebenpunkte der Anklage und des Urteils betreffen einen Selbstunfall, den der Portugiese einen Monat später verursachte. Er fuhr in eine Verkehrsinsel in Frauenfeld. Er war abgelenkt, weil er während der Fahrt eine Musik-CD wechselte. Wenige Tage später forderte ihn das Strassen­verkehrsamt auf, die Nummernschilder seines Autos abzugeben oder die ausstehenden Gebühren zu zahlen. Er ignorierte die Aufforderung, selbst nachdem sie ihm die Polizei unter die Nase rieb. Schon im Juni 2015 war er wegen der Nichtabgabe der Kontrollschilder bestraft worden. Er hatte eine Busse von 300 Franken und eine bedingte Geldstrafe von fünf Tagessätzen zu je 100 Franken erhalten. Der Beschuldigte werde sich auch künftig nicht an die Rechtsordnung im Strassenverkehr halten, fürchtet der Staatsanwalt. Bezüglich der versuchten schweren Körperverletzung könne ihm noch knapp eine gute Prognose gestellt werden. In diesem Bereich sei er noch nie straffällig geworden.

Thomas Wunderlin

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